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Hochglanz und Schimmel -
Wohnen in Wilhelmsburg in
Zeiten der IBA |
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Unbillige Härten durch Streichung des
Elterngeldes |
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Bildungsoffensive Elbinseln (BOE) eröffnet
Infopoint in Kirchdorf |
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Propagandalüge Gentrifizierung?
Von wegen! |
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Hochglanz und Schimmel -
Wohnen in Wilhelmsburg in
Zeiten der IBA
Eine Podiumsdiskussion am 2. September 2010 im
Bürgerhaus Wilhelmsburg.
Von Christiane Tursi, verikom Wilhelmsburg
Ich stehe bei der SAGA schon drei Jahre auf
der Warteliste, aber es kommt nie ein Wohnungsangebot.
Ich war schon so oft da, und
immer sagen die mir, es gibt nichts!“, klagt
eine Rentnerin in der Beratung.
Frau A. hingegen beschwert sich bitter über
die GAGFAH, sie habe jahrelang Schimmel in
der Wohnung gehabt und immer wieder
angerufen, aber die GAGFAH habe sich nicht
gerührt. „Zum Schluss haben wir alles auf
eigene Kosten behoben. Aber jedes Jahr
erhöhen die die Miete“, meint sie resigniert.
Wohnungsprobleme sind ein großes Thema in
der sozialen Beratung bei verikom Wilhelmsburg
in der Thielenstraße im Bahnhofsviertel.
Ob es die Wohnungssuche ist, die schier
aussichtslos erscheint, oder ob der Vermieter
auf angezeigte Mängel nicht reagiert und
notwendige Reparaturen einspart: Viele
Menschen mit geringem Einkommen spüren,
dass in Wilhelmsburg - und nicht nur da -
irgendetwas grundlegend schief läuft. Nicht
zuletzt deshalb wird die Internationale Bauausstellung
mit gemischten Gefühlen erwartet.
Die soziale Kluft wird immer tiefer
Die IBA wirbt mit dem Versprechen, Wilhelmsburg mit neuartigen
Wohnmodellen und innovativen Projekten attraktiver zu machen und
den Stadtteil aufzuwerten. Aber wer wird von diesem Prozess profitieren?
Was wird die jetzt schon sozial benachteiligte Bevölkerungsmehrheit
Wilhelmsburgs davon haben?
Eine soziale Kluft tut sich auf zwischen den teuren Bauvorhaben, den
privaten Investitionen und Sanierungsmaßnahmen einerseits und dem
kaum wahrgenommenen Alltagskampf der Mieterinnen und Mieter
andererseits. Ein Kampf gegen immer höhere Mieten oder die Verwahrlosung
der Wohnblocks und Häuser, in denen ständig die Aufzüge
kaputt sind oder der Putz von den Wänden bröckelt.
Wo bleibt der sozialpolitische Innovationsschub der IBA?
Die kritischen Fragen, die die „Recht-auf-Stadt“-Bewegung in verschiedenen
Teilen Hamburgs an die Politik stellt, werden auch in
Wilhelmsburg immer drängender: Wo sind die sozialpolitischen Konzepte
und Maßnahmen der Stadtentwicklung, die die Gentrifizierung
ausbremsen - jene Aufwertungsprozesse, die ganze Stadtteile zunehmend für begüterte Schichten erschließen und durch schleichende Mietsteigerungen
ärmere Bevölkerungsgruppen verdrängen, Menschen, die
jetzt schon nicht mehr wissen, wohin? Die politisch gewollte und
manchmal hemmungslose Gewinnorientierung von Privatinvestoren und Wohnungsgesellschaften sind hier Teil des Problems. Aber müsste nicht
eine Internationale Bauausstellung gerade auch einen sozialpolitischen
Innovationsschub in der Stadtentwicklung befördern?
Erfüllt die Stadt ihre Pflicht?
Wer erklärt sich dafür zuständig? Was bleibt über von der städtischen
Verpflichtung, genügend sozial gebundenen Wohnraum vorzuhalten und
die Wohn- und Lebensqualität auch in den ärmeren Vierteln sicher zu
stellen? In Kooperation mit der Verständigungsarbeit der Kirchengemeinde
Kirchdorf lädt verikom Wilhelmsburg zu einer Podiumsdiskussion
ein, um diese Fragen engagierter AnwohnerInnen zu diskutieren.
Podiumsdiskussion:
Hochglanz und Schimmel -
Wohnen in Wilhelmsburg in
Zeiten der IBA
Der Diskussion stellen sich:
Uli Hellweg, Geschäftsführer der IBA
Willi Hoppenstedt,
Vorstand der SAGA/GWG
Metin Hakverdi,
Bürgerschaftsabgeordneter der SPD und Vorsitzender
des Regionalausschusses Wilhelmsburg/
Veddel
Thomas Sies,
WGNorden Asset GmbH/GAGFAH
Karin Assmus, Mieter helfen Mietern
Wann? Donnerstag, 2. September 2010
um 19 Uhr
Wo? Bürgerhaus Wilhelmsburg,
Mengestraße 20
Kontakt und Information:
verikom Wilhelmsburg,
Thielenstraße 3a,
21109 Hamburg,
Tel. 754 18 40 |
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Hartz IV
Unbillige Härten durch Streichung des
Elterngeldes
Von Julia Stephan, Sozialberaterin
Beate ist 28 Jahre alt. Letztes Jahr ist sie zum ersten
Mal Mutter geworden. Ihre Tochter Sophie erzieht
sie alleine - der Vater des Mädchens hat sie
kurz nach der Geburt verlassen. Da Beate seit längerer
Zeit arbeitslos ist, bezieht sie Arbeitslosengeld
II, im Volksmund auch „Hartz IV“ genannt.
Bisher steht Elterngeld ein Jahr lang auch Hartz
IV-Empfängern zu. Beate sagt: „Das Elterngeld war meine Rettung! Als
Hartz IV-Empfängerin bekam ich 300 Euro Elterngeld im Monat, die
ich behalten durfte. Gerade in diesem ersten Jahr nach der Geburt hatte
ich viele Anschaffungen zu tätigen - von den ganz alltäglichen Dingen
wie Windeln, Brei und Pflegemitteln mal ganz abgesehen! Ohne das
Elterngeld wäre ich nicht über die Runden gekommen!“
In Zukunft werden Hartz IV-Empfänger ohne Elterngeld über die
Runden kommen müssen - die Bundesregierung hat im Rahmen der
Sparmaßnahmen beschlossen, dass das Elterngeld für Hartz IV-Empfänger
gestrichen wird. Einem/r alleinerziehenden Hartz IV-EmpfängerIn
stehen dann Kosten für Unterkunft und Heizung plus 359 Euro zu. Davon
muss er/sie Strom, Telefon und sämtliche Bedarfe bezahlen - vom
täglichen Brot über Kosmetikartikel bis hin zur Freizeitgestaltung. Für
ein neugeborenes Kind kommen nur noch die monatlichen 215 Euro
hinzu - das Elterngeld fällt weg.
Der Wegfall des Elterngeldes ist eine unbillige Härte und wird zu
neuen sozialen Belastungen der Betroffenen führen.
Die Empfänger von Arbeitslosengeld II laufen Gefahr,
noch schneller als bisher in eine Verschuldungsspirale
zu geraten.
Sozialberatung in
Wilhelmsburg
Haben Sie Fragen rund um das Arbeitslosengeld
II und Hartz IV? Dann wenden Sie sich an die
Sozialberatung für den Kirchenkreis Hamburg-
Ost in Wilhelmsburg.
Christel Ewert
Kirchdorfer Straße 170,
21109 Hamburg, Tel. 28 57 41 18
Julia Stephan
Vogelhüttendeich 55,
21107 Hamburg, Tel. 753 42 04 |
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Bildungsoffensive Elbinseln (BOE) eröffnet
Infopoint in Kirchdorf

MG. Unter dem Motto: „Was willst du morgen können?“ wurde im
Haus der Jugend Kirchdorf in der Krieterstr. 11 ein Infopoint eröffnet.
Hier kann man sich über die rund 100 Bildungseinrichtungen informieren,
die sich mit ihren Projekten für eine Verbesserung der Bildungssituation
auf Wilhelmsburg einsetzen. Zunächst ist das Forum Bildung
Wilhelmsburg aus der Zukunftskonferenz in Wilhelmsburg hervorgegangen.
Die IBA/BOE ist erst später als Partner dazu gestoßen. Auch
der Bezirk Mitte unterstützt die Initiativen für bessere Bildungschancen
auf Wilhelmsburg. Auch werden die fünf großen Bauprojekte vorgestellt,
die im Rahmen der IBA bis 2013 entstehen sollen. Der
Infopoint ist bis Oktober 2010 geöffnet und wird von Jugendlichen und
Aktiv-Jobbern betreut, die die Arbeit gleichzeitig zur Fortbildung
nutzen.
Eigentlich sollte der Infopoint in dem neuen Haus der Jugend eingerichtet
werden, doch dessen Eröffnung ist jetzt auf September verschoben
worden. Aber die Ausstellungsmacher haben für die Ausstellung
„Galerie der Talente“ die alten Räume noch einmal wunderschön
hergerichtet. Es gibt auch schon gute Computer zum arbeiten, die eine
große Computerfirma gesponsort hat. Auch die rückenfreundliche
Möblierung kann man schon bewundern und die praktischen Dreieckstische.
Heute muss man sein ganzes Leben lang bereit sein, dazu zu lernen.
Deshalb ist z. B. das neue Bildungszentrum „Tor zur Welt“ für alle
offen, Jung und Alt und alle Kulturen. Auch in Kirchdorf können
Kinder, Jugendliche und Erwachsene Waren produzieren und dabei
etwas lernen, z. B. in Küchen und Werkstätten in dem neuen Bildungszentrum
am Stübenhofer Weg sowie in einem neuen Medienzentrum.
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Propagandalüge Gentrifizierung?
Von wegen!
sic. Gentrifizierung - geschieht sie in Wilhelmsburg
oder geschieht sie nicht? Werden durch die
Aufwertungsstrategien von IBA und Stadt tatsächlich
die Mieten teurer und in der Folge arme
Menschen aus dem Stadtteil vertrieben? Werden
die weniger Begüterten zum Schattenvolk, ausgebootet
und zum Stillschweigen verdonnert? Weil
nur noch die Bedürfnisse der herbeizulockenden
wohlhabenden Klientel zählen? Natürlich war
immer klar, dass Stadt und IBA einen solchen
Prozess zumindest billigend in Kauf nehmen
würden. Es war bekannt, dass die Stadt ihrer
Verpflichtung zum sozialen Wohnungsbau nicht
nachkommt. Doch würde Gentrifizierung tatsächlich
eintreten? Lange Zeit fand ich das
schwierig zu beantworten, denn ich konnte es
nicht wirklich sehen. Die Mietsteigerungen, von
denen ich zu Beginn hörte, erschienen mir im
stinknormalen Bereich, wie sie eben alle zwei bis
drei Jahre stattfinden. Auch Eigentumswohnungen
konnte ich nicht in größerer Zahl in den Annoncen
in Zeitungen und Internet finden. Und
die Berichte meiner Freundin aus der Sozialberatung
boten „nur“ den üblichen Horror, den es
schon vor IBA und igs mit dem Hartz IVabhängigen
Wohnen gegeben hatte.
Also doch alles Miesmacherei „versprengter
Grüppchen ideologisch verblendeter Modernisierungsblockierer“?
Nein. Stück für Stück kam es
in den vergangenen Wochen an den Tag. Im Reiherstiegviertel
gibt‘s keine normalen Wohnungen
mehr zu mieten. Für eine einfachste Wohnung
ohne Balkon in der Georg-Wilhelm-Straße
standen fünfzig Menschen Schlange. Mieten werden
mit fadenscheinigen Begründungen zweimal
in einem Jahr erhöht. Meine Freundin in der
Sozialberatung muss plötzlich feststellen, dass
Verhandeln mit der SAGA, um einer von Obdachlosigkeit
bedrohten Familie vorläufig die
Wohnung zu sichern, nicht mehr möglich ist.
Und nun verikom, die in ihrer Beratung Wohnungsprobleme
zuhauf antreffen. Probleme, die
alle davon zeugen, dass das Wohlergehen vieler
Menschen einfach nicht mehr zählt. Verikom hat
sich des Themas jetzt angenommen und lädt zu
einer ersten großen Veranstaltung ein. Sehr gut!
Denn wenn eine so renommierte Einrichtung
wie verikom die Missstände in aller Öffentlichkeit
konstatiert, kann die Gentrifizierungsbeobachtung
nicht mehr als ideologisch verblendete
Nischenpropaganda abgetan werden.
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