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  18.Jahrgang,
Ausgabe 1
Jan. / Feb.
2012
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Chancen

“Wir haben Zeit“
Neues Beratungsangebot: treffpunkt.elbinsel bietet jetzt Sozialberatung
Sozialhilfe-Regelsätze 2012 zum Teil leicht erhöht
Widersinnig
10 Jahre Müttertelefon

 

Wir haben Zeit“
Projekt „Jugend Aktiv“: Sieben BeraterInnen aus verschiedenen Wilhelmsburger und Veddeler Einrichtungen bieten arbeitslosen Jugendlichen umfassende Einstiegshilfen in das Berufsleben an

Jugend Aktiv Team

 
Fünf vom Projekt „Jugend Aktiv“
(von vorn nach hinten): Gül Çekel, 44, von Veddel aktiv e.V., Juliane Baade, 34, von Gangway e.V., Gordana Prgomelja, 32, von der BI Beruf und Integration gGmbH, Dragana Prgomelja, 35, von der BI, und Philippe Sandberger, 40, von Gangway.

Foto: sic
 

sic. Niemand kennt die genaue Zahl derjenigen, die durch alle Raster gefallen sind, die nirgends mehr auftauchen, in keinem Amt, keiner Schule, keiner „Maßnahme“: Arbeitslose Jugendliche, die es aus unterschiedlichen Gründen schon früh aus der geregelten Bahn geworfen hat und die kaum Vertrauen in öffentliche Institutionen haben. Für sie ist das neue Projekt „Jugend Aktiv“ da. Insgesamt sieben SozialpädagogInnen aus drei Einrichtungen stehen seit Herbst 2011 als Ansprechpartner, Coaches und Begleiter für junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren zur Verfügung.

Jugend Aktiv bietet individuelle Begleitung. „Wir nehmen uns ganz viel Zeit für jeden Einzelnen“, erzählt Mitarbeiterin Dragana Prgomelja, „Jeder hat seine Geschichte, und die möchten wir erstmal kennen lernen.“ Es geht darum, gemeinsam mit den Jugendlichen herauszufinden, was das Richtige für sie sein kann, und dann Schritt für Schritt dort hin zu kommen. „Es muss nicht immer der ‚gerade‘ Weg sein“, erklärt Kollegin Juliane Baade, „viel wichtiger ist es, zu erkennen: ‚Was will ich? Was kann ich?‘“
Zu Beginn gilt es oft, Stolpersteine und Barrikaden aus dem Weg zu räumen. Denn meist sind es persönliche Probleme, die die Jugendlichen daran hindern, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. „Das können zum Beispiel Schulden sein, Drogenprobleme, aber auch Krankheit. Ich habe schon Klienten ins Krankenhaus begleitet und natürlich bei Behördengängen“, berichtet Mitarbeiterin Gül Çekel. Ihr Kollege Philippe Sandberg ergänzt: „Wir möchten die Jugendlichen auch mit ihrem Bezirk vertraut machen, möchten ihnen zeigen, wo es Beratungsstellen und Treffpunkte gibt, an die sie sich wenden können. Ganz wichtig natürlich auch: ‚Wer unterstützt mich im privaten Bereich? Wo habe ich Freunde? Was ist mit meiner Familie?‘ Wir helfen, dass die Jugendlichen sich selbst ein gutes Netz aufbauen können.“
Erst nach Klärung der persönlichen Situation wird die Ausbildungs- oder Berufsfrage angepackt. „Da überlegen wir dann gemeinsam, welche Beschäftigung es sein kann, oder welche Form der Ausbildung, oder ob erstmal noch ein Schulabschluss gebraucht wird“, erläutert Gordana Prgomelja. In dieser Phase wird sehr viel mit der BI Beruf und Integration zusammengearbeitet, die eine Vielzahl von Qualifizierungs- und Berufsvorbereitungsangeboten hat. Für diesen Bereich steht dort der Kollege Martin Kaul bereit, der außerdem Kompetenzfeststellung macht und Kontakt zu Firmen hält. „Wenn ein Jugendlicher dann gut ‚untergebracht‘ ist, sind wir für Anfangsprobleme oder Krisen weiterhin für ihn da, solange eben, bis er wirklich auf eigenen Füßen steht“, erklärt Juliane Baade.

Zu Jugend Aktiv kann jeder kommen. Ausschlusskriterien gibt es nicht! Einzige Voraussetzung: „Der Veränderungswunsch muss da sein“, so Dragana Prgomelja. Und wer‘s beim ersten Mal dann doch noch nicht packt, der darf es später noch mal versuchen. „Irgendwann klappt‘s“, so Prgomelja.
Wer sich einmal entschlossen hat, den Neuanfang zu wagen, bekommt ganz schnell einen Termin. „Morgen oder übermorgen“, verspricht Philippe Sandberger. Gern können sich auch Eltern, LehrerInnen, MitarbeiterInnen anderer Einrichtungen an Jugend Aktiv wenden, wenn sie glauben, jemanden zu kennen, der dort gut aufgehoben wäre. „Und wir gehen auch zu Jugendlichen hin, die sich nicht trauen, von sich aus zu uns zu kommen“, versichert Gül Çekel.

 
Infos:
Jugend Aktiv

Ort: In Wilhelmsburg: Haus der Jugend Kirchdorf, Krieterstraße 11
Veddel: Stadtteilladen Veddel, Immanuelstieg 5

Kontaktaufnahme:
1. Per Telefon einen Termin vereinbaren:
Haus der Jugend Kirchdorf, Tel. 7546566,
Stadtteilladen Veddel, Tel. 785842

Jeweils einfach anrufen und sagen, dass man zu Jugend Aktiv möchte
(auch Nachricht auf Anrufbeantworter hinterlassen).

2. Einfach hingehen:
Stadtteilladen Veddel, mi 14 - 20 h ist Gül Çekel da.
Haus der Jugend Kirchdorf, geöffnet mo - sa nachmittags
(wenn von Jugend Aktiv keiner da ist, kann man eine Nachricht hinterlassen).
 

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Treffpunkt

Neues Beratungsangebot:
treffpunkt.elbinsel bietet jetzt Sozialberatung an

Isa Bozic. Benötigen Sie Hilfe im Umgang mit Behörden, Gerichten, dem Vermieter, Firmen oder sonstigen Institutionen? Unterstützung erhalten Sie ab jetzt von der Sozialberatung in den Räumen des treffpunkt.elbinsel mit Mustafa Kerecin. Das Angebot ist kostenlos.
Wir freuen uns auf Sie auf Ihre Fragen, seien Sie herzlich willkommen! Die Sozialberatung wird vom Fachamt Sozialraummanagement, Bezirk Hamburg Mitte in Kooperation mit dem treffpunkt.elbinsel angeboten.

Sozialberatung: Jeden Dienstag von 15 bis 18 h
treffpunkt.elbinsel (alsterdorf assistenz west gGmbH), Fährstrasse 51 (Reiherstiegviertel)
Kontakt: Isa Bozic, Tel. 319 738 69; Mustafa Kerecin, Tel. 428 542

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Sozialhilfe-Regelsätze 2012 zum Teil leicht erhöht

Seit 1. Januar 2012 gelten folgende Regelsätze:

Alleinstehende und alleinerziehende Leistungsberechtigte: 374 Euro (bisher 364 Euro)
Ehegatten und Lebenspartner: 337 Euro (bisher 328 Euro)
Erwachsene Leistungsberechtigte ohne eigenen Haushalt: 299 Euro (bisher 291 Euro)
Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres: 219 Euro (bisher 215 Euro)
Jugendliche vom Beginn des 15. bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres: 287 Euro (nicht gestiegen)
Kinder vom Beginn des 7. bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres: 251 Euro (nicht gestiegen)

Die Regelsätze für Kinder, Jugendliche und Jungerwachsene werden durch das vor einem Jahr eingeführte Bildungs- und Teilhabepaket ergänzt. Danach gelten Schulbedarf, Klassenreisen, Lernförderung, Schul-Mittagessen, Sport, Musik, Kultur und Freizeiten als eigenständige Bedarfe neben dem Regelsatz.

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WidersinnigSigrun

sic. Seit neun Jahren berichte ich nun über Hilfsangebote im sozialen Bereich. Ein Reigen immer neuer Einrichtungen und Projekte ist in diesen Jahren an mir vorbeigezogen. Auch „Jugend Aktiv“ ist nicht das erste Projekt zur Qualifizierung benachteiligter Jugendlicher, das ich vorstelle. Es ist - mal wieder - ein neuer Versuch, jungen Menschen, die aus dem System gerutscht sind, eine Perspektive für ihr Leben aufzuzeigen.
Nicht, dass wir uns missverstehen: Ich finde es gut, was Jugend Aktiv tut. Jeder Versuch, den betroffenen Jugendlichen eine Chance zu eröffnen, ist richtig und wichtig. Es darf nicht passieren, dass sie über lauter neuen Schulen und Bildungskonzepten und schicker Architektur in Vergessenheit geraten, jene geschätzten 15 Prozent, die die Schule ohne Abschluss verlassen oder/und nach der Schule keinen Anschluss finden und sich, wenn überhaupt, höchstens noch mal in den Einrichtungen der offenen Jugendarbeit blicken lassen. Bei Jugend Aktiv ist besonders positiv, dass ein Großteil der MitarbeiterInnen mit den Gegebenheiten der Elbinseln vertraut ist und einen reichen Erfahrungsschatz in die Arbeit einbringen kann.

Doch was so ärgerlich und frustrierend ist: In den genannten neun Jahren haben sich die Projekte nicht verstetigt. Kaum eines ist geblieben. Der Reigen ergab sich nur aus einer ungeheuren Fluktuation, nicht aus einer steigenden Anzahl. Und das ist ja auch kein Wunder, wenn alle nur noch eine projektgebundene Finanzierung unter irgendeinem neuen Schlagwort und für einen von vornherein begrenzten Zeitraum erhalten. Kontinierliches Arbeiten wird so kaum möglich, und das bedeutet auch, dass die allseits gewünschte Vernetzung von Hilfsangeboten nicht richtig funktionieren kann. Außerdem müssen die Projekte viel zu oft wieder bei nahezu null anfangen. Auch Jugend Aktiv läuft unter einem „neuen“ Programm für ganz Hamburg, wird aus EU-Mitteln finanziert und hat „Frist“ bis August 2013.

Übrigens: KlientInnen von Jugend Aktiv könnten als Einstieg wunderbar in der Gastronomie des Lauren-Janssen-Hauses qualifi ziert werden. Die Einrichtung arbeitet in diesem Bereich nachweislich mit Erfolg. Doch das geht nun nicht mehr: Das Laurens-Janssen-Haus musste aufgrund der 1-Euro-Kürzungen dicht machen.

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Bundesweit und täglich:
10 Jahre Müttertelefon

PM. Trennungskummer, Erziehungsärger, Krankheit, Geldsorgen oder zu hohe Arbeitsbelastung: Egal, um welches Problem es geht, die Beraterinnen des Müttertelefons haben immer ein offenes Ohr für ihre Anruferinnen.
Seit zehn Jahren leisten sie täglich von 20 bis 22 Uhr Telefondienst für Mütter, bundesweit und anonym. Mehr als 1000 Frauen aus ganz Deutschland suchen jedes Jahr ihren Rat. „Viele Frauen haben niemanden, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können oder möchten ihre Sorgen lieber anonym teilen“, beschreibt Martina Trautmann die Motivation ihrer Anruferinnen. Sie ist selbst zweifache Mutter und eine der Ansprechpartnerinnen am Müttertelefon.

40 Mütter mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund versehen ehrenamtlich den Dienst am Telefon. Sie alle sind für die Anforderungen dieses Telefondienstes geschult und nehmen regelmäßig an Fortbildungen und Supervision teil.

Das Müttertelefon ist kostenfrei erreichbar unter 0800-333 2 111

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