25. Jahrgang,
Ausgabe 5
Mai / Juni
2019
    Startseite Kontakt Archiv Impressum  
 

Titel

Aktuell

Kultur

Veranstaltungen

Neue Chancen

Kinder, Jugend, Bildung, Sport

Süd-Kurier

Verschiedenes

Wann... in Wilhelmsburg ?

Wo... in Wilhelmsburg ?

 

Kultur

Leute spielen für Leute
Fotografische Reise durch Wilhelmsburg
 
„Rettet das Hafenmuseum!"
„Notausgang" feiert Jubiläum
„Dat weer ja mal wat anners“
Die „Peking“ kommt – aber wohin?
Wandel und Beständigkeit: Museum vor neuen Aufgaben
Weihnachts- / Winter- / Sommerlektüre

 

Leute spielen für Leute
Die 48h Wilhelmsburg feiern vom 14. – 16. Juni ihr zehnjähriges Jubiläum

Plakat

hk. Jubiläen sind üblicherweise auch immer Gelegenheiten für kritische Bestandsaufnahmen, „Wisst-ihr-noch“-Schwärmen, und einen Toast auf die nächsten zehn Jahre. Das ist auch bei den 48h so. Wenn dieser WIR erscheint, ist das Programmheft 2019 schon auf dem Markt mit Übersichtsplan zum Herausnehmen, Jubiläumsquiz am Ende und 149 Konzerten an 55 Orten:
...Die Hamborger Schietgäng mit Shantys im Inselpark,
türkische Protestmusik zum Fasil-Abend im Cafe Liebe,
Mitmachmusizieren für die ganze Familie im Haus der Projekte,
die Bigband Jazz-Casino im Freizeithaus Kirchdorf Süd,
der Chor Thuma Mina mit Liedern aus aller Welt und 144 Konzerte mehr.

Nach mehrjähriger Abstinenz finden dieses Jahr wieder mehrere Konzerte im Bürgerhaus statt, dem Ort, „wo alles
anfing“. Den Abschluss auf den Ursula-Falke-Terrassen macht diesmal die X-tra-Group mit Jazz und bulgarischer Volksmusik. Mit dem Anwachsen der bulgarischen Community in den letzten Jahren gibt es inzwischen eine größere Zahl bulgarischer Musiker auf den Elbinseln. Neben der X-tra Group sind die Balkan Band und die Hachko Group im Programm. In einem Interview im Programmheft berichtet der Geiger der X-tra Group, Aleks Aleksiev über sein Leben als Musiker auf der Veddel. Mit dem Geigespielen begann er schon als kleines Kind in seiner Geburtsstadt Russe. Auch heute noch übt er täglich und sucht wie viele Musiker auf den Elbinseln einen Probenraum. In seiner Wohnung geht es nur, weil über und unter ihm Verwandte wohnen. Wie bei anderen seiner Kollegen sind Auftritte auf Hochzeiten seine Haupteinnahmequelle. „Wir sind keine Philharmoniker“, sagt er. „Wir sind Leute, die für Leute spielen.“ Wer Aleks Aleksiev schon mal gehört hat, weiß, er ist ein „Teufelsgeiger“.

Im Programmheft findet sich dann auch die erwähnte Bestandsaufnahme unter dem Titel „Eine Erfolgsgeschichte nicht ohne Wachstumsschmerzen“. Das ist die Geschichte vom Wilhelmsburger Musiknetzwerk, der Idee aus Berlin, den ersten unbefangen organisierten 48h 2010: 2000 Besucher*innen, und wenn jemand auf seinem Balkon oder in seinem Laden ein Konzert haben wollte, dann wurde das eben gemacht. Das Programm passte auf vier DIN A4 Seiten.
Seither hat sich vieles gewandelt. 27 von 245 Orten, an denen mal Konzerte stattgefunden haben, gibt es nicht mehr durch Geschäftsaufgabe oder Besitzerwechsel. Das aktuelle Programmheft hat 48 Seiten und für Veranstaltungsorte gibt es Sicherheitsauflagen. Im vergangenen Jahr gab es zum ersten Mal eine größere Zahl von Beschwerden bei der Polizei über Lärm und Müll. Z.T. bei Freiluftparties im Reiherstiegviertel, die mit dem 48h-Programm nichts zu tun hatten, z.T. bei großen Veranstaltungen mit Publikumsandrang bis auf die Straße. Die 48h-Macher*innen sahen sich jedenfalls in der Verantwortung. Mit Postwurfsendungen wurden Bewohner*innen im November zu einem Nachbarschaftsgespräch eingeladen unter dem Thema: „Wie wollen wir im Reiherstieg leben und feiern?“ (siehe WIR 12/18).
Eine Konsequenz aus dem Gespräch war, dass die lauten Partyträchtigen Konzerte in diesem Jahr nicht im Reiherstieg-Programm sind. Damit wollen die Macher*innen im Bürgerhaus ihrem am Schluss der Bestandaufnahme noch einmal formulierten Anspruch gerecht werden: Die 48h sind mehr als ein Musikfest.
Sie sind auch ein Stück Stadtteilarbeit, jenseits der Sprachbarrieren und unter Nachbarn. Dazu gehört auch der Blick in die Zukunft mit der Frage, welche Rolle die 48h bei der Gentrifizierung des Reiherstiegviertels spielen, bzw. nicht spielen wollen.
Für die Macher*innen ist diese Auseinandersetzung mit den „Wachstumsschmerzen“ des Ganzen auf jeden Fall notwendig. Wir als Besucher*innen der 48h können vor allen Dingen sagen: Ihr habt das die 10 Jahre gut hingekriegt. Und „Cheerio – auf die nächsten 10“!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zum Seitenanfang 


Fotografische Reise durch Wilhelmsburg
Der neue Bildband von Rolf Reiner Maria Borchard

Borchard

Rolf Reiner Maria Borchard vor der Buchhandlung Lüdemann.
Foto: Lehmann

Sylvia Lehmann. Drei Klappstühle und ein Beistelltisch – fertig war das temporäre Café in der Buchhandlung Lüdemann. Zur Vorstellung des neuen Fotobildbandes „Hamburg Wilhelmsburg – Stadt Landschaft Hafen“ luden Anfang Mai der Fotograf Rolf Reiner Maria Borchard und Detlef Lüdemann den WIR ein. Bei Kaffee und Keksen waren wir Teil einer Fotobuchlesung, die gespickt war mit Inselgeschichten und historischen Details.
Rolf Reiner Maria Borchard hielt sein 248 Seiten starkes Werk feierlich in den Händen als er berichtete, wie er das ganze letzte Jahr Wilhelmsburg in allen Jahreszeiten durchwanderte und fotografisch festhielt. Der diplomierte Architekt ist seit fast 50 Jahren auch als Fotograf tätig. Wilhelmsburg habe ihn gereizt, weil der vielgestaltige Stadtteil in einem Spannungsbogen steht zwischen dem Gestern und dem Morgen. Einen Ist-Zustand wolle Borchard festhalten, bevor der Wandel weiter geht. Es entstanden Fotografien vor allem aus den Bereichen Architektur-, Landschafts- und Industriefotografie, die unbearbeitet wiedergeben, was man, beginnend bei der Überfahrt mit der Fähre 73, in diesem Stadtteil vorfinden kann.
Wir blätterten uns Seite um Seite durch eine weitgehend menschenleere Elbinsel, als ein Wilhelmsburger die Buchhandlung betrat. In Missingsch plauschte er kurz mit uns. Jahrelang lebe er schon hier und eine Widmung im Fotobuch wäre schön. Mit Menschen auf den Bildern würde ein anderes Buch entstehen, meinte Borchard. So seien Räume entstanden, die der Betrachter selbst durchwandern kann. Stadtkarten mit Lagepunkten der Fotografien geben Orientierung im Buch und laden ein, die abgebildeten Orte zu besuchen, um sie mit eigenen Geschichten zu beleben.

Unsere Kaffeetassen waren fast geleert, als Borchard als Schlussakkord einen Bogen von der Veddel bis zum „Sprung“ über die Süderelbe, nach Harburg, spannte. Für Borchard, den ehemaligen Professor für Gestaltungsgrundlagen, ist der gesamte Bildband wie ein Musikstück und jedes Foto gleicht einer Zeichnung oder einer Malerei. Viele Fotografien stehen im Verhältnis zueinander und der Bildaufbau wurde gestalterisch komponiert. Seine Lieblingsstelle im Buch ist die Fotografie „Bäume, Schilf und Elbe im Naturschutzgebiet Heuckenlock“. Ein Bild, gemalt von der Natur.

Borchards Bildband „Hamburg Wilhelmsburg – Stadt Landschaft Hafen“ legt ein Zeugnis ab. Man findet vertraute Ansichten und wenig beschrittene Orte. In allem kann man die Insel überblicken und das kontrastreiche städtebauliche Wilhelmsburg erkennen.
Im Atelierhaus 23 wird die Ausstellung zum Buch mit Vernissage am Sonnabend, 29. Juni, um 15 Uhr eröffnet. Bis zum 4. August gibt es ausgesuchte Fotografien zu sehen.

Rolf Reiner Maria Borchard,
Hamburg Wilhelmsburg – Stadt Landschaft Hafen,
Borchard & Wegner, 2019, 248 Seiten, 38 Euro

 

 

 

 

 



zum Seitenanfang



 

 

 


zum Seitenanfang


„Rettet das Hafenmuseum!"
Der Verein "Hafenkultur e.V. - Freunde des Hafenmuseums" startet eine Volkspetition

Hafenmuseum

Den Charakter dieses Ortes kann man nicht irgendwohin mitnehmen.
Foto: hk

hk. Strahlender Sonnenschein bei der Saisoneröffnung des Hafenmuseums an den 50er Schuppen im Hansahafen. Viel Publikum, Groß und Klein in der Halle und auf den Schiffen am Kai. Ewerführer und Helmtaucher zeigten ihre Arbeit. Die Takelage der "Peking" wurde überholt, ein alter Fachmann erklärte an Modellen und Karten die Betonnung und die Leuchtfeuer der Unterelbe. Bei aller guten Stimmung sind die ehrenamtlichen Hafensenioren, die den lebendigen Charakter des Museums maßgeblich mit prägen, in großer Sorge. Ihr Verein "Hafenkultur" hat die Idee eines großen deutschen Hafenmuseums mit den "50er Schuppen" als einem Bestandteil von Anfang an mitgetragen. Mit der aktuellen
Standortdebatte, die das Gelände im Hansahafen endgültig ausschließt und zum Beispiel ein Grundstück am nördlichen Elbufer im Baakenhafenquartier ins Auge fasst, sehen sie die ursprüngliche Idee und die Existenz des Museums an den "50er Schuppen" gefährdet (siehe auch WIR 3/19).
In der Vereinszeitschrift "Fastmooker" zitieren sie noch einmal die von Museums-Fachleuten betonte Bedeutung des "authentischen Ortes", dessen Charakter man nicht irgendwohin mitnehmen könne. Sie fragen sich auch, wie denn die ursprünglich vorgesehene Innenrestaurierung der "Peking" als Teil des öffentlichen Museumsprogramms funktionieren soll, wenn der Liegeplatz des Seglers in den nächsten Jahren nicht am Ponton vor den 50er Schuppen sondern irgendwo im Hafen ist.
Der Verein "Hafenkultur" hat jetzt eine Volkspetition "Rettet das Hafenmuseum Hamburg! Hamburg verspielt sein maritimes Erbe" gestartet. Darin heißt es: "Wir fordern: Das bestehende Museum in den "50er Schuppen", die "Peking" und das künftige "Deutsche Hafenmuseum" gehören an einen Standort – den Hansahafen ... Die drei erhaltenen "50er Schuppen" bilden ein europaweit einmaliges Ambiente. Nur an diesem Standort kann zusammen mit einem Liegeplatz für die "Peking" und dem künftigen "Deutschen Hafenmuseum" ein von Umfang und Qualität her einzigartiges maritimes Ensemble entstehen, das das Leben und Arbeiten im Hafen noch geschichtsgetreu und adressatengerecht vermitteln kann."
Kurzfristig wird gefordert, wenigstens die Ertüchtigung der "50er Schuppen" (Brandschutz, sanitäre Anlagen usw.) jetzt – auch schon vor der endgültigen Standortentscheidung vorzunehmen. Denn im Plan ist das bestehende Museum ja nach wie vor Bestandteil des zukünftigen großen Deutschen Hafenmuseums.

Hafenmuseum, Australiastr 50A,

www.hafenmuseum-hamburg.de;
Öffnungszeiten: Mo 10.00-17:00;
Di geschlossen; Mi-Fr 10:00-17:00;
Sa/So 10.00-18.00

 

 

zum Seitenanfang


„Notausgang" feiert Jubiläum
Kabarettgruppe seit 30 Jahren unterwegs

Notausgang

„Best of Notausgang“ heißt das Programm zum Jubiläum.
Foto: ein

PM. Die Kabarettgruppe „Notausgang“ feiert ihr 30-jähriges Jubiläum mit dem Programm „Best of Notausgang“.
Das Ganze findet statt am Freitag, den 17. Mai, um 19:00 Uhr, im Gemeindehaus der Reiherstieg-Kirchengemeinde, Eckermannstraße 1A (barrierefrei!).
Wir laden Euch und Sie ganz herzlich dazu ein, Eure/Ihre „Notausgänge“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

zum Seitenanfang


„Dat weer ja mal wat anners“
20 Johr plattdüütsche Stammdisch

Wiegand

To sien twintigsten Boortsdag harr sik de plattdüütsche Stammdisch vun de
Windmöhl Johanna den Singer un Plattsnacker Jochen Wiegand inladen.
Wat weer dat för een schönen Namiddag!

Foto: Lothar Kleesiek


km. De plattdüütsche Stammdisch inne Windmöhl Johanna gifft dat siet 20 Johrn. Dat wulln se fiern un harrn uns, de Radaktion vun dann Wilhelmsburger InselRundblick, doarto inlaad.
Wi sünd denn ok an´n Sündag Namiddag hen na dat Gasthuus Sohre. Doar hebbt sick de Lüüd nich so lang mit Snacken ophollen. All de Lüüd, de wat seggen wullen, hebbt dat kort afmaakt. Wi kunnen doarbi unsen Koffie un dann Koken eeten.
Un denn greep sick Jochen Wiegand sien Gitarr. Man de hett nich blots sungen. Nee, to jeed een Leed harr he ok de Geschicht, woher dat stammt. Un he verkloar uns ok, worüm de Text männigmal soon beten sünnerboar is. To´n Bispeel mütt dat egentlich heeten: anne Eck steiht een Jung mit een „Trüdelband“. Wi singt ja jümmers „Tüdelband“. Man egentlich güng dat um dat Trüdelband, dat de Göörn mit´n Stock över de Straten rollt hebbt. Een Trüdelband is een Fattriepen, de üm soon Fatt rümbunnen is, üm de Dauben fast to hollen.
Jochen harr noch mehr solke Geschichten to de Leeders to vertellen, un so hett he dann nich blots sungen. Nee he hett ok fix klook snackt. Man sungen hett he, un hebbt wi, aver ok noch düchtig.
Un doarüm kann ick jo vertellen: „Dat weer ja mal wat anners“, jüst so as Jochen Wiegad dat sülvst vertellt hett. Wi harrn so een schönen Namiddag un töövt nu op de nächst´ Gelegenheit, dat Plattdüütsch to fiern!

Fünf Jahre Inselschnack Termine für 2019

Gundula Niegot. Der „Wilhelmsburger Inselschnack“ geht ins fünfte Jahr!
Neben Alt-Wilhelmsburgern und Ur-Einwohnern sind besonders Neu-Insulaner/ innen eingeladen, sich Geschichten und Geschichte erzählen und alte Fotos zeigen zu lassen. Weitere Interessierte sind ebenfalls willkommen!
An vier Sonntagen in diesem Jahr trifft man sich zwischen 15 und 17 Uhr in
der Bauernstube des Museum Elbinsel Wilhelmsburg, Kirchdorfer Straße 163.
Zuvor kann man im Museums-Café ab 14 Uhr Kaffee und selbstgebackenen Kuchen genießen.
Die Termine sind: 14. April, 14. Juli, 8. September und 13. Oktober 2019.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

zum Seitenanfang


Die „Peking“ kommt – aber wohin?
Der Standort des geplanten Deutschen Hafenmuseums ist immer noch unklar

Peking

Der Hilfssteuerstand der „Peking“ ist schon in Hamburg
Foto: hk

hk. Der Traditionssegler „Peking“ soll einmal das neue Wahrzeichen Hamburgs werden und das erste große Objekt für das geplante Deutsche Hafenmuseum. Zur Zeit liegt der alte Viermaster auf der Peters Werft in Wewelsfleth.
Wider Erwarten konnte der alte Rumpf erhalten werden. Das hat die Restaurierung von 26 auf 35 Mio. Euro verteuert. (Siehe auch WIR Nr. 3/18) Aber die Werft liegt mit der Arbeit im Zeitplan. Im Mai 2020 soll die „Peking“ nach Hamburg kommen.
Vor einem Jahr konnten die Besucher im Museum in den 50er Schuppen miterleben, wie ein Teil der Takelage von Fachleuten aus Hamburg und Dänemark auf traditionelle Weise überholt wurde. Aktuell gibt es eine kleine Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte: Einige Originalteile der „Peking“ sind zu sehen, darunter ein Kompass, ein Bullauge und ein Bein des Kapitänstisches, das bei der Restaurierung gefunden wurde. Schmuckstück der Ausstellung ist der originale Hilfssteuerstand. Außerdem wird auf Infotafeln die Geschichte des Schiffes und der anderen legendären „Flying P-Liner“ der Hamburger Reederei Laeisz anschaulich gemacht.

Wo die „Peking“ im Mai 2020 ihren Liegeplatz in Hamburg erhält, ist auch nach einem Jahr Standortsuche allerdings immer noch unklar. Beim favorisierten Platz im Hansahafen am Kai vor den 50er Schuppen wurde die Nähe von zwei Störfallbetrieben von Anfang an als Problem gesehen. Als Ergebnis der Untersuchungen teilte Kultursenator Brosda im Februar mit, dass dieser Standort endgültig ausscheide. Eine Evakuierung der Besucher würde im Ernstfall zu lange dauern. Wir erinnern uns: Bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele auf dem Kleinen Grasbrook war die Umsiedlung dieser Betriebe auf Kosten der Stadt vorgesehen.
Für ein Museum wollte Hamburg so viel Geld wohl nicht in die Hand nehmen? Das Geld spielt auch bei der Suche nach Alternativen eine Rolle. Eine Möglichkeit wäre der Holthusenkai vorm Überseezentrum, dem bisher geplanten Hauptstandort des Deutschen Hafenmuseums. Da die notwendige Restaurierung der Kaimauer dem Senat zu teuer erscheint, ist jetzt auch ein eigentlich schon verworfener Standort auf der anderen Elbseite im Baakenhafenquartier im Gespräch. Ursula Richenberger, Projektleiterin für den Aufbau des Deutschen Hafenmuseums sagt: „Wir bevorzugen den Standort auf dem Gelände des ehemaligen Überseezentrums. Der Liegeplatz für die Peking müsste auf jeden Fall besonders hergerichtet werden.“ Das alte Schiff läge an beiden Standorten im Elbfahrwasser und müsste z.B. sicher gegen Havarien durch die Berufsschifffahrt geschützt sein. Da das Grundstück im Baakenhafen deutlich kleiner ist, müsse gegebenenfalls auch das Museumskonzept überdacht werden:
„Dort wäre kein Freigelände für Großobjekte und wir müssten beim Museumsgebäude in die Höhe planen.“ Bis mit dem Museumsbau begonnen wird, muss für die „Peking“ wahrscheinlich ein Übergangsliegeplatz gefunden werden. Auf jeden Fall soll die weitere Restaurierung des inneren Schiffes schon ein Teil des Museumsprogramms sein. „Dass die Planung eines so großen Projektes, wie das des Deutschen Hafenmuseums, nicht einfach ist und Zeit braucht, war ja klar“, sagt Ursula Richenberger. „So können wir auch erst nach den endgültigen Standortentscheidungen sagen, mit wie viel Geld von den zur Zeit 85 Mio. wir weiter planen können.“- Die Entscheidung über den (Übergangs-)Liegeplatz der „Peking“ soll bis Mitte April fallen. Der Start der Bauarbeiten für das neue Museum ist jetzt für 2023 geplant.

Mit der Eröffnung des Deutschen Hafenmuseums ist nach Aussage von Kultursenator Brosda nicht vor 2030 zu rechnen. Die 50er-Schuppen sollen aber, so Ursula Richenberger, auf jeden Fall weiterhin ein Bestandteil des Museumskomplexes sein.

„Peking“-Ausstellung: noch bis 26.5.2019. Museum für Hamburgische Geschichte, Holstenwall 24.
Saisonstart im Hafenmuseum in den 50er Schuppen: Sonntag, 31.3.2019, 10 Uhr, Australiastr. 50A.

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 




 

 

 

 

 

 

zum Seitenanfang


Wandel und Beständigkeit: Museum vor neuen Aufgaben
Nicht nur das Gebäude wird runderneuert - auch inhaltlich und personell wagt das Museum Elbinsel Wilhelmsburg einen Neuanfang

Elbinsel-Museum

Der neue, erweiterte Vorstand. Insgesamt sind es nun elf
engagierte Menschen (2 fehlen auf dem Foto), die die Geschicke des
Elbinsel-Museums im alten Amtshaus leiten.

Foto: Museum

sic. „Natürlich bleibt das Museum ein Heimatmuseum", versichert Holger Blank, der im März frisch gewählte 1. Vorsitzende des Museumsvereins, „aber wir wollen uns modernisieren und mit dem neuen Ausstellungsschwerpunkt ,Flut' für jüngere Generationen attraktiver werden."
Beide Großprojekte - Sanierung und Umbau des denkmalgeschützten alten Amtshauses von 1724 und der neue Ausstellungsschwerpunkt - sind bereits vom vorherigen Vorstand auf den Weg gebracht worden. Das neue Museumsteam nimmt den Faden nun auf und spinnt ihn weiter.
40 Prozent mehr Ausstellungsfläche wird das Museum nach der Renovierung haben. Wenn alles nach Plan läuft, ist pünktlich zur Wiedereröffnung Mitte 2021 in den neu hinzugewonnenen Räumen im 1. Stock auch eine moderne Multimedia-Ausstellung zur Sturmflut von 1962 fertig. „Mich beschäftigt dieses Thema sehr, seit ich nach Hamburg gezogen bin", erzählt Holger Blank. „Gerade für Wilhelmsburg ist die Flut ja ein großer Einschnitt gewesen."

Während im Museum schon mal die Archäologen Wände und Böden anbohren, um möglicherweise auf alte Schätze in tieferen Schichten des Gebäudes zu stoßen, arbeitet der elfköpfige Vorstand kontinuierlich am Flut-Konzept. Die Ausstellung soll Raum zum Gedenken ebenso schaffen wie für die Auseinandersetzung mit dem hochaktuellen Wandel und Beständigkeit: Museum vor neuen Aufgaben Nicht nur das Gebäude wird runderneuert - auch inhaltlich und personell wagt das Museum Elbinsel Wilhelmsburg einen Neuanfang Thema Hochwassergefahr und Flutschutz in der Gegenwart. So ist, neben Fotos, Filmen und Hörstationen, zum einen eine Gedenkwand mit allen Namen der bei der Flutkatastrophe 1962 Umgekommenen geplant, zum anderen wird sich ein eigener Raum ausschließlich dem Thema „Deiche und Deichbau" widmen.
Die Museumsmacher haben sich für ihr anspruchsvolles Vorhaben fachliche Unterstützung ins Boot geholt. Noch im April wird der erste „Flutgipfel" mit Historikern, Museumsexperten und Zeitzeugen stattfinden. „Wir finden, Hamburg braucht einen festen Ort zur Erinnerung an die Sturmflut und zur Beschäftigung mit dem Thema", erklärt Gerd Nitzsche, 2. Vorsitzender und Schatzmeister des Vereins.
Es ist zum größten Teil seinem gemeinsamen Einsatz mit dem früheren Vorstand zu verdanken, dass Bund und Land für die denkmalgerechte Renovierung und Sanierung des alten Amtshauses insgesamt sechs Millionen Euro zur Verfügung stellen.
„Wir wollen und müssen uns dieser Förderung nun natürlich auch qualitativ gewachsen zeigen", sagt Nitzsche. „Das bedeutet eine Professionalisierung in allen Bereichen, angefangen bei der Ausweitung des Museumsbetriebs bis hin zur komplett neuen technischen Ausstattung."
Bedeutsam ist am Ende vor allem die inhaltliche Ausgestaltung des Museums. Dafür mussten die Aktiven zusätzliche Mittel akquirieren. 100.000 Euro sind von Spendern aus der Wirtschaft, Stiftungen und der Kulturbehörde zusammengekommen.
„Zur inhaltlichen Erweiterung gehören die Digitalisierung des Archivs, der Ausbau des museumspädagogischen Angebots und eine Neustrukturierung der vorhandenen Ausstellung", erläutert Holger Blank. Letzteres packen sie gemeinsam an: Jeder aus dem Vorstand hat sich eines Ausstellungsthemas bzw. Raumes angenommen, für dessen Neugestaltung er verantwortlich zeichnet. Unterstützung bekommen sie dabei von den Museumspädagogen aus dem Helms-Museum in Harburg.
Die Museumsmacher haben sich viel vorgenommen für die kommenden drei Jahre. Sie sind klug genug, an bestimmten Stellen Profis von außen einzubinden. Später wird es auch der einen oder anderen Honorarkraft für den laufenden Betrieb bedürfen. Grundsätzlich aber soll die Arbeit wie bisher mit Bordmitteln getan werden. „Wir bleiben ein ehrenamtlich arbeitender Verein aus Menschen, die sich mit Herzblut für ihr Museum engagieren", bekräftigt Holger Blank.

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

zum Seitenanfang


Winter- / Sommerlektüre

Lesetipps aus der Bücherhalle Wilhelmsburg
Schöne Literatur:
Simone Buchholz: Mexikoring – Hamburg-Krimi
Christian Berkel: Der Apfelbaum – Familiengeschichte über drei Generationen
Mick Herron: Slow Horses – Thriller
Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen – Humor-Satire
Liv Strömquist: Der Ursprung der Liebe – Graphic Novel

Kinderbücher:
Hammesfahr, Guido: Frau Giraffe zieht um – Bilderbuch, ab 4 Jahren
Bardugo, Leigh: Das Lied der Krähen – Fantasy, ab 12 Jahren
Obrecht, Bettina: P.F.O.T.E. - Ein Ohr für alle Fälle – Tiere, ab 8 Jahren

Sachbuch:

Niki Brantmark: Lagom: der schwedische Weg zum Glück

Fröhliches Lesen wünscht das Bücherhallen-Team vom Vogelhütt endeich 45!

 

WIR- Lesetipps

 

Neujahr

Neujahr


km. Durch den anschaulichen Schreibstil kann der Leser nahezu in Echtzeit die wahnsinnigen Anstrengungen des Protagonisten miterleben. Juli Zeh schreibt detailliert, präzise und glaubwürdig. Ihre Sprache ist wenig kunstvoll, schafft aber eine spannende Atmosphäre für den Leser, der auf zwei Reisen mitgenommen wird:
eine körperlich anstrengende mit dem Fahrrad und eine Reise in Hennings Gefühlswelt.
Zwei Geschichten werden hier aus der gleichen Erzählperspektive, jedoch mit einem Zeitunterschied von 30 Jahren, geschildert. Zeh gelingt es, alltägliche Situationen durch das Erschaffen von bildlichen Darstellungen mit Gefühlen zu koppeln. Das Buch hat mich völlig gepackt, ich empfehle es gerne weiter! Auch wenn der Roman wenig Schönes in seiner Geschichte hat, ist er doch lesenswert und spannend.

Juli Zeh, Neujahr,
Luchterhand-Literaturverlag,
20 Euro

 

„ D I E I N S E L“

Die Insel

sic. Im November ist die aktuelle Jahresschrift des Museums Elbinsel Wilhelmsburg „DIE I NSEL“ erschienen.
Da es in der vorigen Museumssaison keine „INSEL“ gab, ist die vorliegende Ausgabe eine prallvolle Doppelnummer mit vielfältigen Themen aus der Historie und Kunstgeschichte Wilhelmsburgs geworden.
Gleich zwei Aufsätze widmen sich der Bildausstattung der Kreuzkirche in Kirchdorf. Die Kunsthistorikerin Ingrid Höpel erläutert anschaulich und spannend die Bedeutung der 24 Embleme im Kirchenraum. Restauratorin Bettina Heine berichtet, wie sie und zwei Kolleginnen den ursprünglichen Charakter der acht Deckengemälde aus dem Leben Jesu Christi wieder hergestellt haben.
Die kanadische Geschichtsprofessorin Carolyn Kay beschäftigt sich noch einmal detailliert mit der Interpretation der Kinder-Kriegszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg.
Besonders gelungen ist auch Angelika Paschs Portrait über drei Generationen der Familie Brodermann - bekannt durch den Gemüse- und Obststand von Margret Hille auf den Wilhelmsburger Wochenmärkten. Alle insgesamt sieben kleinen und großen Aufsätze sind äußerst lesenswert und kurzweilig.
Das Heft ist in der Buchhandlung Lüdemann und im Museum erhältlich.

DIE INSEL 2016/17,
Hg. Museum Elbinsel Wilhelmsburg,
54 S., 6 Euro


 

Der Sprengmeister

Sprengmeister

hk. Henning Mankells allererstes Buch war kein Wallander-Krimi und war bis vor kurzem bei uns völlig unbekannt. Er schrieb den Roman „Der Sprengmeister“ als 25-Jähriger. Und erst jetzt, 45 Jahre nach der schwedischen Erstveröffentlichung, wurde er ins Deutsche übersetzt.
Es ist die Geschichte des Sprengmeisters Oskar Johansson. Als junger Mann wird er 1911 bei einem Arbeitsunfall Invalide, seine Freundin Elly verlässt ihn. Er heiratet ihre Schwester Elvira, sie bekom men drei Kinder, nach Elviras Tod zieht er sich auf eine kleine Schäre zurück. Gesellschaft leistet ihm dort hin und wieder ein Besucher. Dieser Besucher ist der eigentliche Erzähler von Oskars Geschichte. Oskar erzählt ihm sein Leben als Arbeiter und als Sozialist, der sich für das Weltgeschehen interessiert und unerschütterlich an die Revolution glaubt: „Sie wird kommen, früher oder später.“ Anders als in seinen späteren Wallander-Romanen experimentiert Henning Mankell in seinem Erstling mit verschiedenen Erzähltechniken. Die Zeitebenen wechseln, mal berichtet der Besucher, mal Oskar selbst, historische Abschnitte werden eingefügt und hörspielartige kleine Dialoge. Und manchmal redet der Besucher über die Produktion dieses Buches. Die Geschichte wird dadurch ungemein temporeich und spannend. „Der Sprengmeister“ ist so ein Buch, bei dem man mit dem Lesen nicht auf hören kann.

Henning Mankell, Der Sprengmeister,
Zsolnay Verlag, 192 Seiten, 21 Euro

 

 

Weihnachten im Alten Land
Ein schön gestaltetes kleines Büchlein

Weihnachten

MG. Zwei Schwestern, ein Obsthof im Alten Land und ein altes Bratapfelrezept, dazu Vorurteile, Verwicklungen und neue Lieben. Anne lebt bei ihrem Vater auf dem Obsthof, die Ehe ihrer erfolgreichen Schwester Maike ist gescheitert, die Mutter hat die Familie vor Jahren verlassen. Alle, auch die neuen Männer im Leben der Schwestern, lieben Maikes Sohn Jakob, der trotz der abwechselnden Betreuung durch die Eltern ein fröhlicher, robuster kleiner Kerl geworden ist. Die Autorin, die im Norden Hamburgs lebt, beschreibt die unterschiedlichen Schicksale, die Vorurteile gegen alles Fremde und Missverständnisse. Hat sich gegenüber Früher etwas geändert? Wird mit Weihnachtsmarktbesuch, folgen- reichen Begegnungen und dem berühmten mütterlichen Bratapfelrezept dieses Weihnachten doch noch zum wahren Fest der Liebe?

Sanne Jellings, Weihnachten im Alten Land,
Roman, rororo, Reinbek 2018,
160 Seiten, 10 Euro

 

Pelle zieht aus

Pelle


hk. Weihnachten ist gerade für Kinder eine wichtige Angelegenheit. Deshalb kommt in Astrid Lindgrens vielen Kindergeschichten über Pelle, Tomte Tummetott, Lotta, Pippi und die anderen auch immer wieder das Weihnachtsfest vor. Manchmal sind die Geschichten besinnlich.
Aber nicht selten machen die Kinder Quatsch am Weihnachtsfest und haben tolle Ideen, die nur die Erwachsenen für verrückt halten. Schließlich sind die Geschichten von Astrid Lindgren. „Es fängt mit STOLL an,“ lässt Lotta die kranke Tante über ihr Geschenk rätseln, „aber was es ist, sage ich nicht. Man kann auch sagen, dass es mit KUCH anfängt...“ Und Pippi lässt die böse Frau Finquist beim großen Weihnachtsbaumplündern in der Villa Kunterbunt abblitzen. Das Fest sei für Erwachsene verboten, „weil es nämlich nicht gesund für Große ist, Torte und Bonbons zu essen.“ Das habe ein Doktor in Amerika herausgefunden. Große Leute sollten nur gekochten Schellfisch und gedünstete Mohrrüben essen.
Die 15 schön bebilderten Geschichten eignen sich – nicht nur zum Fest – natürlich auch gut zum Vorlesen. Das Buch „Pelle zieht aus“ ist in der deutschen Ausgabe zuerst 1985 erschienen. Jetzt wurde es wieder aufgelegt. Und das wurde auch Zeit. „Ihr Kinderlein kommet!“, schrie Pippi. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Astrid Lindgren, Pelle zieht aus und andere Weihnachtsgeschichten,
Oettinger Verlag, 206 Seiten, 10 Euro

 


Mein Weg in die Freiheit
Ein Buch über einen jungen Mann, der aus Eritrea flüchtet

Buchcover

hk. Der 18jährige Eritreer Merhawi Fsehaye lebt seit zwei Jahren als geduldeter Flüchtling in einer Unterkunft in Hamburg. Eines Tages bringt die Lehrerin in der Berufsschule kleine Bücher mit in den Unterricht, in denen junge Migranten über ihre Geschichte und ihr neues Leben berichteten.
Das bringt ihn auf die Idee, auch ein Buch über seine Flucht aus Eritrea zu schreiben. Seine Deutschkenntnisse sind schon recht gut, aber mit dem Schreiben kommt er nicht voran. Es fällt ihm auch schwer, seine Gedanken zu sortieren. Er bittet schließlich Ulla Grün, die er als Vormund eines Mitbewohners kennt, ihm zu helfen. Sie treffen sich dann einmal in der Woche. Merhawi erzählt, Ulla Grün fragt nach, sortiert und schreibt auf. So entsteht das Buch „Mein Weg in die Freiheit“. Es ist die inzwischen fast alltägliche Geschichte von der Flucht junger Menschen vor Krieg, Unterdrückung und schwierigen Lebensbedingungen in ihrer afrikanischen Heimat. Merhawi schlägt sich mit wechselnden Weggefährten nach Libyen an die Mittelmeerküste durch. Sie sind ständig in Angst vor Entdeckung. Kurz vor Tripolis werden sie von Soldaten angehalten und landen für Wochen im Gefängnis.
Mehrfach warten sie in verborgenen Hallen mit mehr als 1000 Menschen zusammengepfercht auf die nächste Schlepperetappe, um dann unter einer Ladung versteckt auf überladenen LKWs weitertransportiert zu werden. Brutal geschlagen, beleidigt und bespuckt zu werden, ist für Flüchtende alltäglich. Und sie sind gewohnt niemandem zu vertrauen, auch ihren Brüdern nicht. Ein freundlicher Helfer kann sie schon am nächsten Tag um ihr Geld betrügen, sie an die Miliz verraten oder als Zwangsarbeiter vermitteln.
Im Schlusskapitel über die Entstehung des Buches sagt Merhawi Fsehaye über seine „Schreiberin“ Ulla Grün: „Manche Dinge, die für mich selbstverständlich waren, konnte sie sich nicht vorstellen.“ „Mein Weg in die Freiheit“ mag ein wenig dazu beitragen, Fluchtgeschichten zu verstehen.

Merhawi Fsehaye, Ulla Grün, Mein Weg in die Freiheit,
smm Leichte Sprache Verlag, 174 Seiten, 8 Euro

 

 

Falkenberg

Falkenberg

hk. Wie es sich für einen guten Krimi gehört, gibt es am Anfang erstmal eine Leiche. Eine Schulklasse macht einen Ausflug auf den – Titel gebenden – Falkenberg in den Harburger Bergen. Die Kinder wollen nach Störtebekers Schatz buddeln, der der Legende nach dort vergraben sein soll – und finden einen Toten. Mit 147 Messerstichen und einem auf dem Rücken eingeritzten Hakenk reuz übel zugerichtet. Die Kommissarinnen der Mordbereitschaft 5, Stella Brandes und Banu Kurtoglu, finden heraus, es handelt sich bei dem Toten um den 87 Jahre alten Dr. Manteuffel aus der nahen feinen Seniorenwohnanlage „Residenz Waldfrieden“. Er war ein sympathischer Zeitgenosse gewesen, hatte im Heim einen Freundeskreis und war sogar mit einer Bewohnerin verlobt. Wer sollte ein Motiv gehabt haben, den netten alten Herrn umzubringen? Das Hakenkreuz lässt die Kommissarinnen einen rechtsradikalen Tathintergrund vermuten. Die Ermittlungen in der Harburger Naziszene laufen ins Leere.
Und dann ist da noch das Schwarzweißfoto einer ominösen Josephine, angeblich seine erste große Liebe. Zwischenkapitel auf einer anderen Zeitebene mit Tagebucheintragungen eines Mädchens aus den 30er und 40er Jahren lassen die LeserInnen ahnen, dass der Mord eine Vorgeschichte hat. Stella und Banu kommen nur langsam voran und müssen dann entdecken: Ein Schüler einer nahen Privatschule, der in seinem Zeitzeugenprojekt viele Gespräche mit Dr. Manteuffel geführt hatte, ist ihnen bei der Klärung des Falls immer um eine Nasenlänge voraus. Mit seiner Hilfe kommen die Ermittlerinnen schließlich grausamen Verbrechen aus der Nazizeit und dem schrecklichen Geheimnis auf die Spur, das einige Bewohner-Innen der Residenz Waldfrieden miteinander verband.
„Falkenberg“ ist ein spannend erzählter und ausgeklügelt aufgebauter Roman, der an die populären skandinavischen Vorbilder erinnert. Dass die Autorin Regine Seemann im Hauptberuf Wilhelmsburger Lehrerin ist, lässt sie nur in ein paar kleinen Exkursen merken, in denen es unvermittelt ganz konkret um guten Unterricht und das Hamburger Bildungswesen geht.- Der zweite Fall für die Kommissarinnen Stella Brandes und Banu Kurtoglu ist schon in Arbeit. Man darf gespannt sein.
Regine Seemann, Falkenberg,
Gmeiner-Verlag, 382 Seiten,
12 Euro

 

Heiland – Tod im Hafenbecken

Heiland-Cover

MG. Felix Huby, bürgerlich Eberhard Hungerbühler, 1938 im schwäbischen Dottenhausen geboren, lebt seit über 25 Jahren in Berlin. Beide Destinationen verarbeitet er in seinem neuen Roman „Tod im Hafenbecken“. Den Großvater von Kommissar Peter Heiland lässt er schwäbeln und in dem Mordfall um Sven Lubinger, im Milieu allgemein bekannt als Malik, verarbeitet Huby beste Ortskenntnisse aus Berlin. Der Tote wird am Grund des Berliner Westhafens gefunden, an den Beinen gefesselt und mit einem Betonklotz versehen. Es kommt alles vor: Prostitution, Rauschgift, Jugendbanden, Mord. Typisch für Kommissar Heiland sind manchmal unkonventionelle Methoden, die oft zum Ziel führen. Auf 250 Seiten wird der Fall von allen Seiten beleuchtet. Oft denkt man, das ist der Mörder oder die Mörderin. Aber der Schluss ist dann doch unerwartet.
Felix Huby schrieb 1976 seinen ersten K riminalroman. Es folgten 19 weitere Romane um Kommissar Bienzle, viele Tatorte und Hörspiele. „Tod im Hafenbecken“ ist der zweite Fall von Kommissar Peter Heiland. Man darf gespannt auf weitere Fälle sein ...
Felix Huby, Heiland,
Gmeiner-Verlag GmbH, Meßkirch,
18 Euro

 

Die Tyrannei des Schmetterlings

Tyrannei-Cover

hk. Das neue Buch von Frank Schätzing „Die Tyrannei des Schmetterlings“ ist ein hoch spannender Thriller, in dem die Rettung der Erde, wie in seinem Bestseller „Der Schwarm“, nur möglich ist, wenn die Menschen verschwinden. „KI“, die künstliche Intelligenz des lernfähigen Superrechners „Ares“, der schon lange selbständig seine Program me entwickelt, gerät seinen Entwicklern außer Kontrolle und verfolgt einen mörderischen Plan. Der Roman beginnt als Provinzkrimi. Sheriff Luther Opoku und seine Kollegin Ruth Underwood, die es sonst mit Einbrüchen, häuslicher Gewalt und kleineren Drogendelikten zu tun haben finden eine Tote, die offenbar einen Felsen herabgestürzt ist. Sie finden heraus, dass es sich bei der Toten um eine Mitarbeiterin des IT-Unternehmens „Nordvisk“ handelt, in dem der Supercomputer „Ares“ entwickelt wird. Sie fahren dorthin.
Und bei der Verfolgung eines Verdächtigen auf dem Nordvisk-Gelände durch mysteriöse Server-Hallen findet Opoku sich – auf Seite 164 – plötzlich in einer Parallelwelt wieder – um mehrere Stunden zeitversetzt. Und nun beginnt der Science-Fiction-Thriller mit menschlichen Bösewichten, Sexrobotern, Mörderlibellen und Cyborg-Heuschrecken als lebende Datenspeicher – alles Ausgeburten des Rechners Ares, um die Erde von den Menschen zu befreien.
Frank Schätzing, Die Tyrannei des Schmetterlings,
Kiepenheuer& Witsch, 762 Seiten,
26 Euro

 

Willipedia. Ein Elbinselführer

Willipedia Cover

sic. Mehr als 500 Kinder aus Wilhelmsburg und von der Veddel haben nun schon zum zweiten Mal über die wirklich wichtigen Orte auf den beiden Elbinseln geschrieben. Die Reise geht von A wie „Abend in Wilhelmsburg“ bis Z wie „Zirkus Willibald“.
Die Kinder beschreiben ihr Wilhelmsburg und ihre Veddel wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, aus herrlich subjektiver Perspektive und mit Blick für die wesentlichen Dinge: Von wem bekommt man Bonbons geschenkt, wo kann man gut spielen und wo ist der Himmel besonders bunt?
Eine kleine Kostprobe: „Harburger Chaussee - Ich habe hier viele Freundinnen. Die Elbe ist ein schöner Ort. Es ist so schön am Deich. Ich kann mich hinsetzen und die Elbe ansehen.
Chiara“.
Maren Töbermann/Forum Bildung Wilhelmsburg (Hg.),
180 Seiten,
9,90 Euro

 

QualityLand

Leon Stein. QualityLand ist eine Welt, der unseren sehr ähnlich – nur weitergedacht. Es wurde umbenannt, weil eine Umfrage ergab, dass der einstige Name nur noch ewig gestrige Nationalisten inspirieren würde. Da Quality-Land das inzwischen wichtigste Land der Welt ist (im Gegensatz zu den anderen Ländern, QuantityLand 1-9) darf über QualityLand nur im Superlativ geredet werden. Die Kinder tragen als Nachnamen jeweils den Beruf ihrer Eltern, z.B. Peter Arbeitsloser. Aus der Welt der Algorythmen, selbstfahrenden Mietautos und den größten Gigakonzernen überhaupt erzählt Marc-Uwe Kling mit jeder Menge Sarkasmus, Humor, Gesellschaftskritik und hervorragend funktionierenden Running Gags.
Marc-Uwe Kling, QualityLand,
Ullstein-Verlag,
384 Seiten, 18 Euro

 

 

 

Ein spannendes Familiendrama

Buchcover

MG. „Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt. Der Arzt hat versichert, dass es nicht leiden musste. Man hat es in eine graue Hülle gelegt und den Reißverschluss über dem verrenkten Körper zugezogen, der inmitten der Spielzeuge trieb. Die Kleine dagegen war noch am Leben, als die Sanitäter kamen. Sie hatte sich gewehrt wie eine Wilde.“ Auch sie überlebt das grausame Verbrechen der Kinderfrau Louise nicht. Louise hat den Selbstmordversuch überlebt, liegt aber fortan im Koma.
Nach diesem düsteren Ende erfahren die LeserInnen die Geschichte der Massés, die in Paris im 10. Arrondissement leben. Paul ist Musikproduzent mit wachsendem Erfolg und Myriam möchte nach dem zweiten Kind wieder in ihren Beruf zurück. Also muss eine Nanny her. Die Wahl fällt auf Louise, Anfang 40, Witwe. Zu Stéphanie, ihrer erwachsenen Tochter hat sie keinen Kontakt. Louise wird zu der von den Kindern innigst geliebten Nounou, die sich für die ganze Familie unentbehrlich macht, aber die LeserInnen spüren die Schranke, die zwischen den beiden Lebenswelten besteht. Louise bleibt in ihrem privaten Leben mit ihrer Einsamkeit, Schulden und Verlust ihrer Wohnung allein. In Louise wächst die Angst, mit zunehmendem Alter der Kinder überflüssig zu werden. Als ihre Hoffnung, für die Familie unentbehrlich zu werden, wenn Myriam noch ein drittes Kind bekommen würde, sich nicht erfüllt, zerbricht für Louise eine Welt. Leïla Slimani zeichnet die beteiligten Personen genau, so dass die LeserInnen – auch wenn es kein Krimi ist – gebannt verfolgen, wie sich das Drama entwickelt.
Die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani lebt in Paris. Es ist ihr zweiter Roman.

Leïla Slimani, Dann schlaf auch du,
Luchterhand, 2017, 224 Seiten, 20 Euro

 

Reich und Arm

Buchcover

kdm. In dem Buch machen sich die Freundinnen Rachel und Allison auf eine Reise in das fremde, irreale Herz Großbritanniens. Irreal, befremdlich - genauso wird diese Reise auch! Die Frauen erleben auf ihren Lebenswegen sowohl die gut gestellten, versorgten Kreise als auch die erfolglose, abhängige Bevölkerung. Der Roman blickt so auf die beiden Enden der Gesellschaft: Der Hybris der Reichen stehen die Kümmernisse der Armen gegenüber. Menschen in Extrempositionen an beiden Enden werden beschrieben.
Die Geschichte spielt in Großbritannien, ist aber in jedes westlich wohlversorgte Land übertragbar. Das Buch ist eine gute Empfehlung für all jene, die eine Beschreibung extremer Alltagssituationen aushalten können.

Nummer 11,
Jonathan Coe
Folio Verlag 2017, 24 Euro

 

Von der Haustür in den hohen Norden

Buchcover

hk. Die Journalistin Svenja Beller und ihr Freund, der Fotograf Roman Pawlowski hatten eine einfache aber nicht alltägliche Idee für ein Reisebuch: Sie wollten von ihrer Hamburger Wohnung aus zwei Monate zu Fuß „nach Norden“ gehen. Ohne festes Ziel und festgelegte Route. Bepackt nur mit Rucksack und einem Zelt. Auch öffentliche Verkehrsmittel, Hotels und Campingplätze wollten sie meiden. Herausgekommen ist ein Buch über Landschaften und vor allem über Begegnungen mit Menschen. Die einzelnen Etappen ihrer Reise werden bestimmt durch Autofahrer (und Schiffer), die sie ein Stück mitnehmen und durch Menschen, die sie auf ihrem Grundstück zelten lassen oder ihnen gleich bei sich zu Hause ein Bett anbieten: Da ist der Student Micha, in dessen Flensburger Wohngemeinschaft sie unterkommen, und der in einer Wikingerparallelwelt lebt, Björn, der sie in Norwegen zu seiner Tante mitnimmt, oder der Eismann Fred, der sie auf der Inselgruppe der Versteraalen ganz im Norden in seinem Eiswagen mit auf die Verkaufstour nimmt und sie gerade noch rechtzeitig an der Fähre abliefert. Lauter kleine Reportage-Perlen, anschaulich und mit Witz geschrieben, illustriert mit schönen Fotos. Man möchte nach der Lektüre eigentlich gleich selbst den Rucksack packen. Einstweilen ist es in der kalten Jahreszeit aber auch ein gutes Vorlesebuch.

Svenja Beller, Roman Pawlowski, Einfach loslaufen, Dumont, 2017, 22,90 Euro

 

 

Neues Buch über Wilhelmsburger Straßen
Überblick, Geschichte und viele Bilder auf 60 Seiten

Reichsstrasse

Die Wilhelmsburger Reichsstraße im Jahr 1952.
Foto: ein

PM. Jugendstilgiebel, stuckverzierte Fassaden, in den Eingängen farbige Kacheln mit maritimen Motiven: Das ist die Fährstraße im Wilhelmsburger Nordwesten - plötzlich durchschnitten von einem Deich. Wie kam das? Geschichte liegt auf der Straße! Man muss sie nur aufheben. Auf den Elbinseln Wilhelmsburg und der Veddel sind es ungeheuer viele Geschichten. Das unterscheidet sie von fast allen Hamburger Stadtteilen.

Das Kuriose: Kaum zu glauben, Passierzettel soll eine Straße sein? Aber es stimmt. Dahinter steht eine fast vergessene Geschichte das Hamburger Hafens: Passierzettel heißt eine kleine Straße auf der Veddel - ein Hinweis auf die direkte Nachbarschaft zum Freihafen, den man nur mit dem besagten Papier betreten durfte.

Das Geläufige: Überall findet man Straßen, die an bedeutende Persönlichkeiten erinnern. Gängig als Namensgeber sind die Vorbesitzer des Geländes, die mit Land- und Grundbesitz Geschichte schrieben. Wie zum Beispiel Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, dem nicht nur die Insel, sondern auch eine der Hauptstraßen ihren Namen verdankt.

Das Neue: Wilhelmsburg verändert sich, neue Straßen erzählen neue Geschichten. Etwa die von Dursun Akçam: Nach ihm ist seit 2015 ein Uferweg am Veringkanal benannt. Der türkische Schriftsteller wirkte in Wilhelmsburg lange für das Verständnis zwischen Einheimischen und Migranten.

Geschichte der Inseln erkunden:
Ungewöhnlich viele Straßennamen hier erzählen über frühere Landschaftsformen im
Grenzgebiet zwischen Fluss und Land: Der Name Pollhornbogen zum Beispiel im südwestlichen Gewerbegebiet Wilhelmsburgs geht zurück auf ‚Pullhorn‘: früheres Außengelände vor dem grünen Deich. Horn: Winkel, Ecke. Pull bedeutet Spitze. Pullhorn ist also vielleicht die spitze Ecke einer früheren Insel oder Halbinsel gewesen.

Das Alte: verschwindet. Die Wilhelmsburger Reichsstraße wird würdig verabschiedet…

Auf 60 Seiten bietet das kleine Buch einen aktuellen Überblick über alle Straßen Wilhelmsburgs und der Veddel und ihre Geschichte, reich bebildert mit 100 Fotos aus über 100 Jahren Stadtteilgeschichte. Herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen, 60 Seiten, 6 Euro.

Erhältlich in der Buchhandlung Lüdemann, im Museum Elbinsel Wilhelmsburg und natürlich in der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg, HONIGFABRIK, Industriestr. 125-131, Tel. 040 42 10 39 15,
www.geschichtswerkstatt-wilhelmsburg.de. Mail: markertm@honigfabrik. de

Buch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

zum Seitenanfang
 

 

 


 

Honigfabrik

 

 

 

 

 

 

 

HOFA-Highlights des Monats

Museum Elbinsel Wilhelmsburg:

Amtshaus

 

Freizeithaus

Bürgerhaus

48 h

    Startseite
Kontakt
Impressum