23. Jahrgang,
Ausgabe 5
Mai / Juni
2017
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Kultur

... is nich blots in Böker verleevt
48 Stunden Musik von den Elbinseln
Gerechtigkeit Gottes und innerweltliche Gerechtigkeit
Kunstsprechstunde
Musik und Theater in der Honigfabrik
Kino in der Kirche
Komm raus, mach mit!
Neuerdings steht ein Baum von Ai Weiwei im Wälderhaus
Winter- / Sommerlektüre

 

... is nich blots in Böker verleevt
Der WIR und das Plattdeutsch

Theater

De Steenbeker mit ihrem Stück „Opa is de beste Oma“; von links: Mutter Lilli, Tochter Kathi, Paul bzw. Pauline, Verleger Palmer (Klaus Müller).
Foto: U. Quathamer

hk. Was WIR-Leute neben der Zeitungsarbeit sonst noch so machen, darüber schreiben wir eigentlich regelmäßig. Über die „Nebentätigkeit“ von Klaus Müller, der für das Büro und die Finanzen des WIR zuständig ist, haben wir bisher aber noch nie berichtet. Wahrscheinlich auch, weil wir normalerweise nur etwas davon mitbekommen, wenn er einmal wegen Probenterminen nicht zur Redaktionssitzung kommen kann. Klaus spielt nämlich Theater bei der niederdeutschen Bühne Buchholz „De Steenbeeker“ (Die Steinbecker). Vor vier Wochen wurde ihr neues Stück „Opa is de beste Oma“ in der Empore Buchholz aufgeführt.

Eine Komödie vom Feinsten:
Opa Paul is för lange Tieden al na Indien in een Ashram affhaut un hett sick nich um sien Familie kümmert. Nu, wo ok Oma Erna op een „Selbstfindungstrip“ is, kummt he opmal na Huus un will sick üm de Enkeldochter Kathi kümmern. Sien Dochter Lilly will dor aver partu nix mit vun weten. Man se söcht een Oppass för ehr Dochter. So klabüstern Enkeldochter Kathi un Opa denn ´n Plan ut un maakt Opa to de Huusdam Pauline, de ok direkt anstellt ward. De „Verleger“ Claus Palmer (gespielt von Klaus Müller) is nich blots in Bööker verleeft, he is ook in Lilly verleeft un maakt de Saak noch vigelienscher. As denn ok noch Claus´ Swester opdükert un Oma Erna ut Afrika trüch kummt, gifft dat een groot Dörchenanner.
Die Steenbeeker sind ein tolles Ensemble und die Zuschauer in der rappelvollen Empore Buchholz haben sich köstlich amüsiert. Aber es waren vor allem ältere Leute. Denn Plattdeutsch ist eine „gefährdete“, sterbende Sprache. Nur noch gut zwei Millionen Menschen in Deutschland können es sprechen. Klaus ist einer davon. Im WIR standen übrigens früher mal hin und wieder Texte in plattdeutsch, aber das ist lange her. Das ist schade.

Is Plattdüütsch nu een Spraak, de wi bi dat Thema „Sprachenvielfalt“ (siehe WIR 3,4/17) ok mit in afhanneln mööt? Aver villicht speelt „De Steenbeekers“ een vun ehr Stücken ja ook mal in Wilhelmsburg.

 

 

 

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48 h

48 Stunden Musik von den Elbinseln

hk. Am 9. Juni geht es wieder los. Vom Bandonion Orchester bis zur Weltkapelle, von der Grub Mihman mit türkischer Volksmusik bis zur Folk-Band Elbinsel 7. Und wie jedes Jahr Musik in Cafés, Kneipen, Läden, auf dem Parkdeck, im Ruderclub, in einer Flüchtlingsunterkunft und an vielen anderen Orten, an denen es „normalerweise“ keine Musik gibt. Zum 8. Mal steigen die 48h. Und wie immer mit dem Markenzeichen: Alle MusikerInnen leben oder arbeiten auf den Elbinseln. Was auch heißt: Das Festival ist international!

Ein gutes Beispiel dafür bietet die Weltkapelle, in der sich seit Ende 2015 MusikerInnen mit und ohne Fluchterfahrung zu Sessions treffen. Im Programmheft wird Nejla Jedidi von der Weltkapelle zitiert: „Bei meinem ersten Auftritt vor großem Publikum hier in Deutschland hatte ich keine Angst und kein Lampenfieber, vielmehr bekam ich das Grinsen gar nicht mehr aus meinem Gesicht. Es macht mich stolz, auf Konzerten zu singen, ein wenig Geld damit zu verdienen.“ Die Weltkapelle eröffnet das Festival am Freitagabend um 18 Uhr in der Veddeler Brückenstraße.
Die 48h-MacherInnen vom Netzwerk Musik von den Elbinseln stellt die Erfolgsstory des Festes vor immer neue Herausforderungen. Es bewerben sich mehr Gruppen, die 48h sollen aber nicht größer werden, damit der Charakter als Wilhelmsburger Nachbarschaftsfest erhalten bleibt. Einige BewerberInnen konnten daher nicht mehr untergebracht werden.
Auch in diesem Jahr haben sich die OrganisatorInnen einige Neuerungen und Extras ausgedacht. So gibt es zum Beispiel im Programmheft eine „Entdeckungstour“ durch den Stadtteil. Dort wird der Besuch der Konzerte entlang eines Ganges über die Elbinseln von der Veddel durch das Bahnhofsviertel bis nach Kirchdorf-Süd beschrieben. Nicht nur für Menschen von der anderen Elbseite bestimmt eine interessante Anregung.

Auch neu im Programmheft: Einige Texte sind auf Deutsch und Englisch: „Eigentlich müsste das Heft ja vielsprachig sein, um allen WilhelmsburgerInnen gerecht zu werden. Aber das ist nicht machbar. Wir haben es jetzt mal so versucht“, erklärt Timo Gorf, einer der OrganisatorInnen.
Als Besonderheit gibt es in diesem Jahr internationalen Besuch. „Einige von den NetzwerkmusikerInnen“, sagt Timo Gorf, „ haben einen Austausch mit verwandten Stadtbezirken in New York und Rotterdam.“ Und so gibt es einige Konzerte, in denen MusikerInnen aus Williamsburg am East River – WIR-LeserInnen nicht unbekannt – und WilhelmsburgerInnen gemeinsam auftreten. Die SKVR-Brassbandschool aus dem „karibischen“ Stadtteil Hillesluis in Rotterdam tritt im Abschlusskonzert am Sonntagabend auf den Ursula-Falke-Terrassen auf. Außerdem veranstaltet die Band am Sonnabend eine Klangwerkstatt im Haus der Jugend, zu der alle zum Mitspielen eingeladen sind.

Programmheft auf
: www.musikvondenelbinseln.de

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Gerechtigkeit Gottes und innerweltliche Gerechtigkeit
Einführung in mein Buch „Sonne der Gerechtigkeit“

Pastor i. R. Hildebrand Henatsch. In meinem neuen Buch „Sonne der Gerechtigkeit“ geht es um das Verständnis der Gerechtigkeit Gottes.
In der Reformation, deren 500-jähriges Jubiläum wir in diesem Jahr feiern, wurde Gottes Gerechtigkeit als Gerechtigkeit vor Gott verstanden.
Wie werde ich vor Gott gerecht?
Wie erlange ich seine Gnade am Tag des Jüngsten Gerichtes?
Luther erkannte, dass keine noch so guten Werke uns helfen, vor Gott gerecht zu werden, sondern allein das Wort seiner Gnade uns frei spricht. Wenn wir heute von Gerechtigkeit reden, meinen wir die innerweltliche Gerechtigkeit. In dieser Hinsicht ist Gerechtigkeit heute ein sehr aktuelles Thema. Inwiefern meint Gerechtigkeit Gottes auch und vor allem diese innerweltliche Gerechtigkeit? Müsste sie nicht zum Zentrum unserer Verkündigung gehören und maßgeblich unser Handeln als Gemeinde und Kirche bestimmen?
Mit dieser Frage beschäftigt sich mein Buch.

Ich möchte Sie und Euch zu einer Einführung in mein Buch einladen.
Wir treffen uns am 23.5. um 18.30 Uhr im Vorraum der Emmauskirche an der Mannesallee.


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Kunstsprechstunde
Das Künstlerhaus Georgswerder lädt ein

Petra Hoppe. Feedback zu bekommen, ist für Kreative gar nicht so einfach: Freunde und Familie finden die Sachen meistens gut, aber stimmt das wirklich? Manchmal fehlt eine Idee, ein inhaltlicher oder technischer Rat oder einfach eine Ermutigung.
Was sagt jemand dazu, der sich mit dem Thema Kunst täglich auseinandersetzt? Das Künstlerhaus Georgswerder möchte stärker in die Öffentlichkeit gehen, sich den NachbarInnen öffnen und freut sich darauf, die Kreativen der Gegend mit ihren Werken zu begrüßen. Aus dem MalerInnensaal und dem Fotoatelier werden zu den genannten Terminen jeweils mindestens eine Künstlerin oder ein Künstler anwesend sein und sich die Werke der NachbarInnen ansehen. Die FotografInnen vom Künstlerhaus meinen: „Und wenn uns jemand seine Urlaubsfotos zeigen möchte, um zu erfahren, wie die schöner werden können, sagen wir auch dazu gerne etwas.“

Die Aktion ist zunächst bis zum Jahresende für jeden 2. Mittwoch im Monat von 19.30 bis 21 Uhr geplant. Die Teilnahme ist grundsätzlich kostenlos, aber eine Spende ist durchaus willkommen.

Aktuelle Infos finden Sie auf:
https://kuenstlerhausgeorgswerder.de
Künstlerhaus Georgswerder e.V.
Rahmwerder Str. 3
21109 Hamburg

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Honigfabrik

 

 

 

 

 

Musik und Theater in der Honigfabrik

Improtheater-Wettkampf IMPROLIGA HAMBURG 2017
Insgesamt werden neun Hamburger Impro-Gruppen an komprimierten drei Terminen in der Honigfabrik gegeneinander antreten:

Sa., 6.5., 20 Uhr, VVK: 6,- + Geb., AK: 8,- €
IMPROLIGA Maestro: Zuckerschweine, Anne Bille, Leistenbruch, Schiller Killer und Meet the Monsters

Fr., 26.5., IMPROLIGA Maestro: Das Elbe vom Ei, Stadtgespräch, Impromptue, Charlotte und Ralf und die Steife Brise

Fr., 16.6., IMPROLIGA-Finale zwischen den beiden Maestro-Siegern
Hier gilt das Prinzip: Der Beste möge gewinnen! Es wird an jedem Maestro-Termin ein Maestro-Sieger gekürt. Mit den zwei Maestro-Siegern aus den ersten beiden Terminen stehen dann die beiden Impro-Gruppen fest, die im Finale im Juni gegeneinander antreten und um den Titel des Ligameisters 2017 kämpfen werden. Das Publikum gestaltet, wie immer, durch Vorgaben das Geschehen auf der Bühne mit und bestimmt, wer weiterkommt. Der Sieger ist stets der Spaß und die Spielfreude.


Konzertreihe Soundattacke

Fr., 19.5., 21 Uhr, VVK: 10,- € + Geb., AK: 13,- €:
Doctor Krapula (COL), Punk, Cumbia, SKA ...

Doktor Krapula

100% politisch – 100% links – 100% tanzbar: Doctor Krapula ist eine der wichtigsten und einflussreichsten Rockbands Lateinamerikas. 2017 kommen sie im Mai/Juni mit ihrem neuen Album „ANIMAL“ auf Tour nach Europa. Ihre Musik ist eine kraftvolle Mischung aus Punk, Cumbia, SKA, Hip Hop und Reggae und bietet anspruchsvolle Texte zu politischen und sozialen Themen. Ihre professionelle Show ist so mitreißend, dass die Zuhörer mit dem ersten Ton zu tanzen beginnen und sich die Euphorie auf das ganze Publikum überträgt.
https://de-de.facebook.com/doctorkrapula

Sa., 20.5., 20 Uhr, VVK: 6,- € + Geb., AK: 6,- €:
Poetry Slam Wilhelmsburg
Ein Poetry Slam ist ein Live-Dichterwettstreit, bei dem PoetInnen mit selbstverfassten Texten gegeneinander antreten. Klingt nicht nur gut. Hier geben sich alte Hasen der Hamburger Slam-Szene die Klinke mit absoluten Newcomern in die Hand.
Moderation: Rasmus Blohm
http://kampf-der-kuenste.de


Sa., 27.5., 20.30 Uhr, VVK: 9,- € + Geb., AK: 12,- €:

Kammerspiel „Rio Reiser:

Reiser


Zwischen den Welten“, mit Rudi Rhode & Michael Gustorff 20 Jahre nach seinem Tod sitzt Rio Reiser auf einer Wolke und lässt sein Leben Revue passieren. Auf dieser biografischen Reise begegnet er alten Widersachern und Weggefährten – alle verkörpert durch den Musiker und Schauspieler Rudi Rhode. So entsteht ein eindringliches und bewegendes Kammerspiel über das widersprüchliche Leben eines großen Musikers zwischen Kunst und Kommerz, Poesie und Politik. Die Faszination, die von Rio Reiser ausgeht, ist bis heute ungebrochen. In seinen Texten spiegeln sich die Träume, Sehnsüchte und Enttäuschungen mehrerer Generationen.
Unterstützt wird Rudi Rhode von Michael Gustorff, der mit Bass, Klavier und Loops für die musikalische Begleitung sorgt.
Video: www.youtube.com/v=ptK4H-tWB48

 

 

 

 

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Kino in der Kirche

PM. Jeden Freitag um 21 Uhr findet in der Immanuelkirche auf der Veddel, Wilhelmsburger Str. 73, Kino statt. Es gibt Genrefilme, Dokus und Themenabende, Fassungen in Deutsch oder OmU.
Das Programm kann per Mail bei kino@kirche-veddel.de angefordert werden.

 

 

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Komm raus, mach mit!
Inselparkkonzerte 2017


Kontakt und mehr Infos:
Katja Scheer, Projektleitung, katja@musikvondenelbinseln.de, Tel. 040/75201714,

www.musikvondenelbinseln.de

Weitere Konzerte:
Sonntag, 11. Juni 2017, 14 Uhr, Kapelle im Inselpark: Outernational Young Orchestra. Konzert in Kooperation mit 48h Wilhelmsburg.
Anschließend Session.

Sonntag, 23. Juli 2017,
18 Uhr, Skatepark: HipHop-Session
mit den Jungs von Ekstase, Open-Mic, Grill & Bar

Sonntag, 13. August 2017, 14 Uhr, Loki-Schmidt-Garten: Lieder aus aller Welt
- Offener Chorgesang mit der syrischen Sängerin Nejla Jedidi und der Wilhelmsburger Sängerin und Chorleiterin Kristina Bischoff

Sonntag, 10. September 2017, 15 Uhr, Freilichtbühne Inselpark: Konzert der Weltkapelle Wilhelmsburg

 

 

 

 

 

 

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Neuerdings steht ein Baum von Ai Weiwei im Wälderhaus

Baum

Bei Ai Weiweis „Tree“ handelt es sich um einen Baum aus der
Sammlung Boros mit einem Durchmesser von ca. fünf Metern.

Foto: Barbara Makowka

PM. Eine Skulptur aus der Reihe „Tree“ des chinesischen Künstlers und Dissidenten, der zurzeit in Deutschland im Exil lebt, ziert seit Anfang April die Eingangshalle des Wälderhauses.
Ai Weiwei hat in seinem Werk unter Verwendung der traditionellen chinesischen Handwerkskunst eine einzigartige künstlerische Handschrift entwickelt, die als Referenz an das kulturelle Erbe seines Heimatlands zu verstehen ist. Mit „Tree“ schuf Ai Weiwei im Jahr 2009 eine Serie großformatiger Baumskulpturen, die aus abgestorbenen Holzstämmen aus den Bergregionen im Süden Chinas bestehen.

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

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Winter- / Sommerlektüre

 

Buchrezension: Der verschollene Schlüssel
Eine realistische und erschütternde Migrantengeschichte

Buch

hk. Auf den ersten Blick ist „Der verschollene Schlüssel“ ein Krimi. In Lüneburg wird ein junger Afrikaner mit schweren Stichverletzungen aufgefunden. Ein Kripobeamter muss ihn im Krankenhaus befragen, um die Täter – offenbar Landsleute – ausfindig zu machen. Der junge Mann, Addae, erzählt ihm dann aber die ganze Geschichte von Anfang an. Und so ist das Buch neben dieser kleinen Rahmenhandlung im Kern – und auch vom Umfang – die Geschichte von Addaes langer und gefahrvoller Reise von seiner ghanaischen Heimatstadt Yendi bis ins „Schlaraffenland“ Deutschland, wo er schließlich zufällig in Lüneburg landet.
Es ist die Geschichte von der Abenteuerlust junger Männer und der Hoffnung auf ein besseres Leben, von Banden und Wegelagerern in der Wüste und von afrikanischen Sklavenhaltern. Von verbrecherischen Schleppern, die für den Tod von tausenden von Flüchtlingen verantwortlich sind.
Der Autor Karsten Hoff ist im Hauptberuf Kommissar auf der Wilhelmsburger Revierwache 44. Hintergrund seiner Geschichten sind wahre Begebenheiten aus seinem Berufsalltag. In seinem ersten Roman „Glück oder Seligkeit“ war es der Einsatz gegen einen Obdachlosen, der in eine Laube eingebrochen war (siehe auch WIR 4/2012).
Im vorliegenden Buch war es ein versuchter Totschlag an einem jungen Migranten in Wilhelmsburg, ein Racheakt einer nordafrikanischen Gang, aus der der junge Mann aussteigen wollte. Im Buch wurde der Fall nach Lüneburg verlegt.

Auf der Grundlage seiner eigenen Erlebnisse und seiner Recherchen erzählt Karsten Hoff eine realistische und erschütternde Migrantengeschichte. Er malt nichts schön. Die jungen Männer sind keine unschuldigen Sympathieträger. Die Gang, aus der Addae aussteigen wollte, ist wegen Raub und Körperverletzung revierbekannt. Aber er lässt auch keinen Zweifel daran, dass die Ursachen der Flucht die elenden Zustände in Afrika sind und die – vergeblichen – Hoffnungen der Menschen. Und dass wir es sind, denen es im Verhältnis gut geht.
Ein Schlüsselerlebnis während der Arbeit am Buch, so Karsten Hoff, waren die „Fragen an besorgte Bürger“ des DGB-Bayern. Er stellt sie als Anhang an den Schluss des Buches. Die ersten drei Fragen lauten: Haben Sie eine Wohnung? Haben Sie ausreichend zu essen? Schlafen Sie im eigenen Bett?

Karsten Hoff: Der verschollene Schlüssel; Eine Reise ohne Rückkehr,
Verlag BoD Norderstedt 2016, 230 Seiten, 8,50 Euro.

 

 

 

*Die Hyäne von Hamburg

Hyäne-Buch


pv. Zwei Tote, acht Schüsse, sechs Projektile. Eine verletzte Zeugin, die mehr gesehen zu haben scheint als sie sagt. Ein myster iöser Kriminalfall für Kommissar Kastrup und seine Kollegen von der Hamburger Kripo: Die „Hyäne“ tötet dem Tod geweihte Junkies, um ihre Identitäten weiterzuverkaufen.
Ein Thriller, der durchaus glaubwürdig in Szene gesetzt ist. In Industriebrachen und Parks, unter anderem in Wilhelmsburg, verankert der Autor seinen Thriller mit präziser Ortskenntnis. Auffällig an diesem Roman ist, dass die eigentliche Handlung in eine Vielfalt von Nebenszenen eingebettet ist. Der Autor thematisiert in diesen Nebenszenen die heimische Bevölkerung, deren politische Situation aber auch persönliche Schicksale.
Immer wieder tauchen Spuren und Verdächtige auf, verschwinden wieder und lassen den Thriller unfertig wirken. Ehlers gelingt es dennoch, den Leser ständig durch einen sachlichen Erzählstil, kombiniert mit Dialogen, in seinen Bann zu ziehen. Er überrascht immer wieder mit neuen Wendungen .
Ein durchaus spannender und unterhaltsamer Krimi.

Die Hyäne von Hamburg,
Jürgen Ehlers,
KBV Verlag, 287 Seiten,
10,95 Euro.

 

 

Mädchenmeute

hk. Erstmal ist „Mädchenmeute“ ein spannendes Jugendbuch. Sieben Mädchen lernen sich kennen als Teilnehmer innen eines Survival-Feriencamps in einem ehemaligen DDR-Pionierlager. Schon am ersten Tag passieren merkwürdige Dinge. Irgendjemand sperrt sie ein, die durchgeknallte Camp-Organisatorin macht sich aus dem Staub. Die Mädchen beschließen, abzuhauen und die zwei Ferienwochen im Erzgebirge zu verbringen. Dort kennt eins der Mädchen, Anuschka, einen verlassenen Bergwerkstunnel, den ihr ihr Großvater einmal gezeigt hat. Auf dem Weg dorthin klauen sie noch ein Hundefängerauto im guten Glauben, die Hunde vor dem sicheren Tod zu retten.
Es folgen zwei Wochen voller Abenteuer, Freiheit, Streitereien und Freundschaft und kleinen Tragödien. Zum glücklichen Ende hin überschlagen sich die Ereignisse, ein Mädchen muss ins Krankenhaus, sie entdecken, wer die ganze Zeit hinter ihnen her spioniert hat, und kommen nebenbei in dem Tunnel dem finsteren Geheimnis des besagten Großvaters auf die Spur.
Die sieben Mädchen sind dabei eine bunte Truppe von ganz unterschiedlichen Charakteren. Vom 12-jährigen Küken Antonia bis zur Ältesten, Anuschka, die zur Not glaubhaft eine Junglehrerin mimt. Von der Anführerin, der rebellischen Bea, die im Stehen vom Dach pinkelt – „Mädchen können alles“ – bis zur schüchternen Ich-Erzählerin Charly, die im Lauf der zwei Wochen immer mutiger wird.
Und man merkt der Schilder ung an, wie sympathisch die Figuren und ihr Abenteuer der Autorin Kirsten Fuchs sind.
Was dieses Jugendbuch besonders macht, ist der Stil. Kirsten Fuchs ist prominentes Mitglied der Berliner Lesebühnenszene und eine preisgekrönte Satirikerin. Sie schreibt in einer oft schnodderigen Alltagssprache, voller Witz und mit umwerfend komischen Bildern. An einer Stelle sagt die schüchter ne Charlotte: „Ich spuckte auf den Boden. Nie würde ich mir das wieder nehmen lassen. Ich war dürr – na und? Ich war langsam ¬ leck mich! Meine Nase sah aus wie der Griff einer Gießkanne – JAWOLL! So sieht sie aus, diese Nase. Ich habe keine andere.“
Das Buch eignet sich also auch prima zum Vorlesen. Und im nächsten Jahr wird es verfilmt.

Mädchenmeute, Kirsten Fuchs,
Rowohlt Taschenbuch Verlag,
463 Seiten, 9,99 Euro

 

Käsebier erobert den Kurfürstendamm


sic. Dieses Buch hören Sie beim Lesen. Großstadtlärm, Stille in den Seitenstraßen, den schwungvoll-ungehobelten Gesang des Varietésängers Käsebier, Schritte, Schreibmaschinen, Stimmen ... Und Sie sehen sie vor sich, die unterschiedlichen Menschen: die unglücklich verliebte Redaktionssekretärin, den Untermieter, den Baulöwen, den Bankier und seine Gattin. Sie sehen auch Schreibtische mit mehr oder weniger wichtigen Männern dahinter, den Setzer in seiner Setzerei, armselige Zimmer und prächtige Wohnungen, das billige Varieté und das noble.
Die wiederentdeckte Geschichte vom medial hochgejubelten Sänger Käsebier und allen, die an diesem zweifelhaften Ruhm partizipieren möchten, spielt im Berlin am Ende der Weimarer Zeit. Die Themen der rasanten Geschichte sind aktueller denn je: Es geht um die Definition von „Kunst“, um Prominenz, Stars und Sternchen und um einen mittelmäßigen Unterhalter, der zum Künstler hochgehypt wird. Es geht um den Verlust von Qualitätsjournalismus zugunsten von Wirtschaf tlichkeit, um Wohnungsnot und Wohnungsbau, Abstiegsängste, Verarmung und abgehobene Superreiche.
Das Ganze ist höchst witzig und intelligent erzählt. Die Autorin Gabriele Tergit war Journalistin in Berlin und Deutschlands erste Gerichtsreporterin. Sie schreibt im Reportageton, schnell, farbig, direkt, erweckt mit wenigen Worten ganze Szenerien und Milieus zum Leben. Zwischendrin findet sie fast lyrische Bilder, erinnert darin an ihre Zeitgenossin Mascha Kaléko. Den Grundton bildet eine feine, ironische Distanz.
Grandios sind auch die Dialoge. Über weite Strecken benötigt die Autorin überhaupt keine näheren Beschreibungen des Sprechens, es heißt einfach nur „sagte Margot“ oder „fragte Oberndorfer“, oft noch nicht einmal das. Denn die wörtliche Rede hat bei Gabriele Tergit alles schon in sich, sie charakterisiert die Personen, lebendig und individuell, und den Ton ihrer Unterhaltung.
Allein wegen der wundervollen Sprache, macht es Riesenspaß, dieses Buch zu lesen. Doch auch alle, die einfach nur gute Geschichten wollen, kommen auf ihre Kosten. Denn man wird mitgerissen wie die Figuren selbst, wander durch die unterschiedlichen Großstadtmilieus und bekommt en passant auch eine ganze Menge mit über das Ende der Weimarer Republik.
Als der Roman 1931 herauskam, war er ein großer Erfolg. Gabriele Tergit emigrierte 1933 nach Palästina, zog 1983 nach London, wo sie bis zu ihrem Tod 1982 lebte.

Käsebier erobert den Kurfürstendamm,
Gabriele Tergit,
Schöffling & Co., 398 Seiten, 24,95 Euro

 

*Die Vollpfostenmasche

Vollpfostenmasche


MG. Torsten Hantsch, Verwaltungsangestellter, gesetzestreu und bis vor kurzem mit seiner strengen Mutter zusammen lebend, findet zum Ende seines Jahresurlaubs auf Amrum beim Strandspaziergang einen Feuerlöscher. Er würde ihn gern behalten, will aber vorher wissen, ob er noch in Ordnung ist.
Dazu sucht er den Wartungsdienstmitarbeiter Petter Jensen auf, der sofort erkennt, dass der Löscher kein Löschpulver, sondern kleine weiße Päckchen mit Koks enthält.
Hantsch will sofort zur Polizei aber es kommt immer was dazwischen und schließlich lässt er sich von Jensen überreden, das Rauschgift zu verkaufen. Petter braucht Geld und Hantsch sieht sich schon im Besitz eines alten Opel Diplomats.
Die ganzen Verwicklungen, in die die beiden geraten, sind überraschend und spannend. Wie das ungleiche Duo die brenzlichen Situationen meistert ist ein großer Lesespaß.

Die Vollpfostenmasche,
Ria Klug,
ISBN 978-3-89425 - 451-3,
9,99 Euro

 

 

Buch

Club der Töchter*
pv. Natasha Fennells Mutter kommt schwer erkrankt ins Krankenhaus. Natasha fragt sich, ob sie ihr wohl eine gute Tochter ist. Was möchte sie noch mit ihr unternehmen, ihr sagen oder sie fragen? Ihre Gedanken for muliert sie in einer Kolumne, auf die sie zahlreiche Resonanzen unterschiedlichster Frauen bekommt.
Gemeinsam mit Róisín Ingle gründet Fennells mit neun Frauen den Club der Töchter. Aus diesen Gesprächen entsteht ein Buch, in dem die Frauen über von ihren persönlichen Geschichten und Beziehungen zu ihren Müttern erzählen. Dabei wird schnell klar: Jede von ihnen möchte etwas verbessern, der Mutter Zeit oder Aufmerksamkeit schenken oder Dankbarkeit aussprechen.
Dieses Buch erhält durch die persönlichen Geschichten und Kommentare der Autorinnen einen Sachbuchcharakter. Doch es ist kein Ratgeber mit konkreten Vorschlägen, sondern ein eher individuelles Stimmungsbild jeder der Frauen und ihres Mutter-Tochter-Verhältnisses.
Man liest die Berichte und ist zum Teil erfreut, erschrocken, traurig und tief berührt. „Club der Töchter“ behandelt ein Thema, über das sich vielleicht die meisten Frauen wenig Gedanken machen, das aber fast jede Frau früher oder später beschäftigen wird: War/bin ich meiner Mutter eine gute Tochter? Oder im schlimmsten Fall: Wieso denke ich erst jetzt darüber nach, wo sie tot ist? Ein bewegendes Buch mit unterschiedlichen Aspekten, die man selbst so nicht erlebt haben muss, die aber nachdenken lassen über das eigene Verhältnis zur Mutter.

Natasha Fennell, Róisín Ingle: Club der Töchter,
240 Seiten, Ki-Wi-Verlag, 2016 ,9.99 Euro, ISBN 978-3-462-04873-5

 

Coolman

Coolman und ich. Ab in die Schule!*

sic. Da hat die Jury des Preuschhofpreises tatsächlich ein super Buch auf den 1. Platz gewählt! Die Thematik „Einschulung“ wird hier einfach als Grundlage für eine lustige, anarchische Geschichte über Kinder und Schule genutzt.
Der Ich-Erzähler Kai betritt die neue Institution an der Seite seiner besorgt-aufgeregten Eltern und seines unsichtbaren Kumpels Coolman. Coolman will immer nur Aufmerksamkeit, Spaß und die Bonbons aus Kais Schultüte haben. Die schulischen Abläufe demontiert er nach Herzenslust.
Das macht soviel Spaß, dass auch ErstleserInnen, die ihre Einschulung schon hinter sich haben, das Buch mit Freude lesen können. Auch prima: Sprachlich traut es den ErstleserInnen Einiges zu. Die Sprache ist schlicht und dennoch niveauvoll und niemals gekünstelt kindlich. Auch die Illustrationen sind gelungen. Frech und lebendig, genau hingesehen. Kleine Comic-Elemente sorgen für Bewegung, die Bilder sind bunt, ohne grell zu sein. Die Kombination von Text und Bild ist locker und angenehm anzuschauen.

Rüdiger Bertram/Heribert Schulmeyer: Coolman und ich. Ab in die Schule! Oetinger,
39 Seiten, 7,99 Euro

 

Friedensträume

Traum von Frieden*

pv. Der Junge, der vom Frieden träumte, ist ein Roman, der das Schicksal des jungen Palästinensers Achmed erzählt. Nachdem seine zweijährige Schwester auf einem Minenfeld stirbt und sein Vater unverschuldet inhaftiert wird, kämpft Achmed mit 12 Jahren um das Überleben seiner inzwischen total verarmten Familie. Hochbegabt gewinnt er ein begehrtes Stipendium an einer renommierten jüdischen Universität, studiert, arbeitet unter härtesten Bedingungen und erhält den Nobelpreis für Physik.
Das Schicksal des Protagonisten beginnt ab der ersten Seite und steigert sich bis zur letzten Seite ins Emotionalste. Wie Achmed sein Leben lebt und wie er damit umgeht, ist faszinierend, erschreckend und berührend zugleich. Michelle Cohen Corasanti, Jüdin, Anwältin für Menschen rechte, besuchte die Hebrew University of Jerusalem, wo sie ihren Master in Nahostwissenschaften machte.

Michelle Cohen Corasanti: Der Junge der vom Frieden träumte,
Fischer Verlag 2016, 400 Seiten,
9.99 Euro

 

Teheran

Nachts ist es leise in Teheran*

hk. Es ist die Geschichte einer Familie, die 1979 aus dem Iran flüchten musste und seit über vierzig Jahren in Deutschland lebt. In vier Abschnitten erzählen Vater, Mutter, Tochter und Sohn eine persönliche Episode, die jeweils für ein Jahrzehnt der Entwicklung in Deutschland und im Iran steht. Der Vater Behsad muss als junger kommunistischer Aktivist miterleben, wie nach dem Sturz des Schahs unter dem Chomeini-Regime Verfolg ung und Terror gegen Oppositionelle von Neuem beginnen.
Er flieht mit seiner jungen Frau und Genossin Nahid und seinen beiden kleinen Kindern nach Deutschland. Im zweiten Abschnitt berichtet Nahid zehn Jahre nach der Flucht von ihren Alttagsproblemen. Sie fühlt sich im mer noch unsicher und es fällt ihr schwer, angesichts der Unterdrückung im Iran die Umweltängste ihrer deutschen Freunde ernst zu nehmen.
Im dritten Abschnitt beschreibt die Tochter Laleh einen Besuch im Iran 1999. Sie erkennt die Verwandten kaum wieder, beherrscht die Sprache nicht mehr richtig. Sie fühlt sich wieder angekommen und doch fremd.
Und im vierten Kapitel erzählt ihr Bruder Mo. Er ist 2009 als Student an einer deutschen Uni Teil der Generation Betriebswirtschaft. Manchmal ist er von seinem Studentenleben angeödet, an Demonstrationen gegen hohe Studiengebühren beteiligt er sich eher lustlos. Aber er, der die Daten der iranischen Revolution googeln musste, beginnt sich für die aufkommenden Proteste im Iran nach den gefälschten Wahlen politisch zu interessieren.

Die Autorin Shida Bazyar wurde als Kind iranischer Flüchtlinge 1988 in Rheinland-Pfalz geboren. Ihre eigene Familiengeschichte bildet den Hintergrund. Sie will den Roman aber nicht als Biographie verstanden wissen. Die Figuren sind fiktiv. „Nachts ist es leise in Teheran“ ist ein moderner Auswandererroman. Das Schicksal zweier Generationen macht einmal mehr anschaulich, wie schwer aber auch normal es ist, dass Menschen ihre Heimat verlassen (müssen) und Teil einer anderen Gesellschaft in einem anderen Land werden. Es geht in dem Roman aber auch immer um den Widerstand im Iran. Mit Grundkenntnissen über die jüngere Entwicklung des Landes hat man noch mehr von dem Buch.

Nachts ist es leise in Teheran, Shida Bazyar,
Kiepenheuer und Witsch,
275 Seiten, 19,99 Euro.

 

 

 

 

 

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