WILHELMSBURGER INSELRUNDBLICK

Die Stadtteilzeitung von Vielen für Alle
 


AUF DIESER SEITE:

Mitsommer im Naturerlebnisgarten im Inselpark - 17.06.2020

Botanische Exkursion ins Heuckenlock - 12.06.2020

Jede Fläche zählt - 10.06.2020

Trotz Corona-Pandemie: Umwelt- und Klimaschutz bleiben für die Norddeutschen die wichtigsten Themen - 03.06.2020

Rückdeichungsgebiet Ellerholz: Welche Variante ist die Beste? - 14.05.2020

NABU: Straßenbegleitgrün besser schützen - 13.05.2020

Aktion "Hamburg blüht auf" - 12.05.2020

Die Wegwarte ist Heilpflanze des Jahres - 21.4.2020

Bitte Rücksicht nehmen! Vogelbrut im Wilhelmsburger Osten - 17.4.2020

Bei neuen Wohnquartieren wird mit dem Abholzen nicht lange gefackelt - 16.4.2020


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Sonntag, 21. Juni 2020: Mittsommertag im BUND-Erlebnisgarten
PM.
Der Garten im Wilhelmsburger Inselpark hat am längsten Tag des Jahres von 5 bis 22 Uhr geöffnet. Mehr über das Programm erfahren sie auf der Facebook-Seite #MidsommarSunday oder direkt bei Gärtner Bernhard Vogt, Mail: naturerlebnisgarten@bund-hamburg.de oder Tel. 0176-461 33 200.

 


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Botanische Exkursion: Der Schierlingswasserfenchel im Naturschutzgebeiet Heuckenlock auf Wilhelmsburg
PM.
Umweltschützer nennen ihn manchmal den "Pandabär des Nordens". Zwar handelt es sich beim Schierlingswasserfenchel nicht um ein Tier, sondern um eine Pflanze. Gemeinsam haben die beiden Arten aber, dass sie beide sehr selten sind und nur noch lokal auf sehr begrenzten Raum vorkommen – der Schierlingswasserfenchel weltweit nur noch an der Elbe bei Hamburg.
Unsere Referentin Jacqueline Neubecker macht sich mit uns auf die Suche nach der seltenen Pflanze. Gemeinsam begeben wir uns dazu in den Süßwassertideauwald des Naturschutzgebietes Heuckenlock im Hamburger Südosten.

Exkursion zum Schierlingswasserfenchel

Samstag, 20. Juni 2020, 10.30–13 Uhr

Treffpunkt: Bushaltestelle Schützenhof (Bus 351 bis Moorwerder)

Aufgrund der Corona-Restriktionen bitte unbedingt per Mail anmelden unter linda.kahl@bund-hamburg.de.


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Jede Fläche zählt - auch die kleinste

Auf Firmengeländen Nischen für heimische Natur und Artenvielfalt entwickeln

Alles auf einen Blick: Links der obere Rand der Blumenwiese mit den Margeriten, dahinter das Bienenhotel, daneben Axel Jahn, Loki-Schmidt-Stiftung, Susanna Fiebig mit der  Urkunde, zwischen den beiden die Plakette „Mehr Vielfalt für unsere Firma!“, Kolja O. Dudas und Dr. Maike Hinze, Ansprechpartner für das Projekt „Kooperation Natur – Entwicklung und Pflege von Naturräumen auf Firmengeländen" der Loki-Schmidt-Stiftung. Foto: MG

MG. Kleine Anlässe haben oft große Wirkung. Susanna Fiebig, Chefin der Firma Otto Meyer in der Neuhöfer Straße, kam mit einem Firmengärtner ins Gespräch, der 23 Jahre lang ein Firmengelände zu einem Biotop mit maximaler Artenvielfalt von heimischen Pflanzen entwickelt hatte. Nun ging er in Rente und befürchtete, dass sein Paradies wieder veröden würde. Das gab den Anstoß zu der Idee, dass es auf Firmengeländen Möglichkeiten gäbe, kleine natürliche Nischen zu schaffen. Susanna Fiebig suchte Partner für ihre Idee und kam vor zwei Jahren mit Axel Jahn, Geschäftsführer der Loki-Schmidt-Stiftung, ins Gespräch. Mit ihrer Begeisterungsfähigkeit gelang es ihr, die Loki-Schmidt-Stiftung davon zu überzeugen, dass mehr Natur auf Firmengeländen dem Verlust der Artenvielfalt entgegen wirken könne. Jetzt, nach zwei Jahren, ist das Projekt „Kooperation Natur – Entwicklung und Pflege von Naturräumen auf Firmengeländen“ fester Bestandteil des Engagements der Loki-Schmidt- Stiftung.
Am 3. Juni 2020 erhielt nun die Firma Otto Meyer als Erste das Siegel „Naturfreundliches Firmengelände“.
Am Hang zum Veringkanal wurden Brombeerbüsche gerodet, Bambus entfernt und  eine Blumenwiese angelegt. Nachdem im vorigen Jahr nur Senf blühte, was ja auch schon ganz schön aussah, blühen in diesem Jahr 50 verschiedene Arten, darunter viele Margeriten und rote Lichtnelken. Für diese kleine Fläche von ca. 150 Quadratmetern ist das eine enorme Vielfalt. Dazu kommt ein großes Bienenhotel, das Harald Köpke vom BUND gebaut und aufgestellt hat, sowie Vogelkästen, die von dem gemeinnützigen Projekt Werkstatt ohne Grenzen gebaut wurden. Das Bienenhotel enthält besonderes Schilf, das es nur auf Wilhelmsburg gibt, und die Vogelkästen sind bereits in diesem Jahr alle bewohnt.
Aber es geht weiter. An der Firmengrenze zur Neuhöfer Straße wird ein Rasenstreifen in eine Wiese verwandelt, die nur noch zweimal im Jahr gemäht wird und auf der sich bereits das orangerote Habichtskraut angesiedelt hat. Susanna Fiebig: „Wir handeln nach dem Motto KVP – kontinuierlicher Verbesserungsprozess.“ Das heißt, dass Pflanzen und Sträucher nach und nach gegen insektenfreundliche Pflanzen ausgetauscht werden.
Und das soll „Kooperation Natur“ auch sein, ein langfristiges, nachhaltiges Projekt, das der Natur Zeit und Raum gibt. Dazu gehört ein Umdenken. Nicht jede Pflasterritze muss von Bewuchs befreit werden. Parkstreifen können der Natur überlassen werden. Susanna Fiebig: „Wir überlassen den Parkstreifen sich selbst. Ich sammele aber jede Woche den Müll weg. Es hat sich sogar eine wilde Rose angesiedelt.“ Das unterstützt auch Axel Jahn von der Stiftung: „Es muss ein Umdenken stattfinden, wie Loki Schmidt schon sagte: ‚Wo es unordentlich aussieht, wächst Überraschendes‘“.
Inzwischen haben sich schon mehr als zehn Firmen in Hamburg und sogar in der Nähe von München gemeldet, die an dem Projekt teilnehmen wollen.

Die wilde Rose, die sich auf dem Parkplatz selbst angesiedelt hat, darf selbstverständlich bleiben. Foto: MG

Bei Interesse können sich Firmen an Dr. Maike Hinze und Kolja O. Dudas unter Tel. 040-284 099 831 oder per Mail unter: kooperation.natur@loki-schmidt-stiftung.de wenden.
Auch die Unternehmerin Susanna Fiebig, Otto Meyer GmbH, gibt anderen Firmen gern Auskunft über das Projekt, das ihr sehr am Herzen liegt: Tel. 040-75 60 670, oder Mail: s.fiebig@otto-meyer.de

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Wildnis Hamburg: zu entdecken beim "Tag der Stadtnatur". Foto: Anna Thielisch

Das ganze Programm sowie Anmeldung zu Veranstaltungen auf https://tagderstadtnaturhamburg.de.

Virtuell auf: tagderstadtnaturhamburg.de.


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Umwelt- und Klimaschutz bleibt trotz der Corona-Pandemie eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen

Zwei Studien der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) belegen dies

Ergebnis der 2. Befragung im April 2020. Gegenüber der 1. Befragung im November 2019 bleibt der Stellenwert von Umwelt- und Klimafragen gleich hoch - trotz Corona. Grafik: HAW

PM/HAW. Mehr als 84 Prozent der norddeutschen Bevölkerung ist vom Klimawandel beunruhigt, das ergibt eine am "Competence Center für Erneuerbare Energien & EnergieEffizienz" (CC4E) der HAW Hamburg durchgeführte repräsentative Studie. Jedoch besteht Skepsis gegenüber dem politischen Handeln, rund zwei Drittel der Befragten bemängelt eine fehlende Entschlossenheit von Seiten der Politik für eine positive Energiewende. In Zeiten der Corona-Krise bleibt das Thema Klimaschutz auch weiterhin eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen.

Die Ergebnisse einer Studie aus dem November 2019 zur Akzeptanz der Bevölkerung für erneuerbare Energien zeigen, dass Umwelt- und Klimaschutz in der norddeutschen Bevölkerung auf Platz 1 der Top-Themen liegt. Die repräsentative Studie wurde im Verbundprojekt "NEW 4.0 – Norddeutsche Energiewende" der HAW gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos durchgeführt und befragte 1.000 Personen aus der NEW 4.0-Modellregion Hamburg und Schleswig-Holstein.
Nun hat Ipsos im April 2020 noch einmal nach den wichtigsten Themen gefragt. Ergebnis: Auch während der aktuellen Corona-Krise hat der Klimaschutz für die gesamtdeutsche Bevölkerung nicht an Relevanz verloren. So geben mehr als zwei Drittel der Befragten an, dass der Klimawandel langfristig gesehen eine ebenso ernste Krise wie die gegenwärtige COVID-19-Pandemie darstellt.

„Die Ergebnisse dieser beiden Studien zeigen, dass das Thema Klimawandel in den Köpfen der Bevölkerung trotz der aktuellen Corona-Krise nicht in den Hintergrund gerückt ist“, so Prof. Dr. Werner Beba, Koordinator von NEW 4.0 und Leiter des CC4E. „Dies verstehen wir auch als Aufforderung, nicht nachzulassen bei unseren Projekten für wirksamen Klimaschutz und die Machbarkeit der Energiewende. Die aktuell notwendige Unterstützung der Wirtschaft sollte deshalb auch mit Investitions-Anreizen für wirksamen Klimaschutz verbunden werden.“
Jedoch zeigt die Akzeptanzstudie von NEW 4.0 auch, dass es eine ansteigende Skepsis gegenüber dem Erreichen der Ziele einer Energiewende gibt. So geben 65 Prozent der Befragten an, dass sie mit der Glaubwürdigkeit der politischen Zielsetzungen nicht zufrieden sind. 60 Prozent kritisieren die mangelnde Geschwindigkeit der Umsetzung und 55 Prozent sind unzufrieden mit dem Engagement der politischen Akteure.

„Unsere Umfrage zeigt, dass der Klimaschutz für die Menschen wichtig ist, viele hegen allerdings eine große Unzufriedenheit bezüglich der aktuellen politischen Handlungen“, so Prof. Dr. Beba. „Nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, auch immer mehr Unternehmen fordern deshalb ein entschlosseneres Auftreten beim Klimaschutz. Die große politische und gesellschaftliche Solidarität, die uns beim Umgang mit der Corona-Krise eint, benötigen wir auch für den Klimaschutz und die Energiewende.“

Die Ipsos-Studie finden Sie auf https://www.ipsos.com/de-de/klimawandel-bereitet-deutschen-ebenso-grosse-sorgen-wie-das-coronavirus.

Webinar zu den Ergebnissen einer Online-Befragungswelle von NEW 4.0:
https://new4-0.erneuerbare-energien-hamburg.de/de/new-40-blog/details/fuer-eine-gesellschaftlich-getragene-energiewende-in-norddeutschland-neues-aus-der-akzeptanzforschung-bei-new-4-0.html
 

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Rückdeichung und Neugestaltung eines tidebeeinflussten Vorlandes in Ellerholz

Welche Variante ist die Beste?

MG. Deiche sind lebenswichtig für die Elbinseln. Das wissen die Wilhelmsburger*innen spätestens seit der Flutkatastrophe 1962, als so viele Menschen umgekommen sind. Das neue, auf 25 Jahre angelegte Programm zur erneuten Erhöhung der Deiche um mindestens 80 Zentimeter hat bereits am Klütjenfelder Hauptdeich begonnen. Aber bei jeder Deicherhöhung muss auch der Deichfuss verbreitert werden. Der Flächenverlust ist auszugleichen. Die Eingriffsbilanzierung erfolgt mit einem Punktesystem nach dem Hamburger StaatsRäteModell SRM (s. Erläuterung unten). Die Fläche binnendeichs (ökologisch nicht so wertvoll) wird meistens mit 2 SRM berechnet und außendeichs (ökologisch wertvolles Deichvorland) mit 32 SRM.

Das geplante Rückdeichungsgebiet Ellerholz liegt südlich von Kreetsand an der Norderelbe (s.a auch WIR 3/2020). Abb.: ein

Mit der geplanten Deichrückverlegung Ellerholz schafft es die Behörde für Umwelt und Energie (BUE), den erforderlichen Ausgleich für alle aktuellen Deicherhöhungen in einer Maßnahme zu bündeln. Es wird ein tidebeeinflusster Bereich geschaffen. Im neuen Flutraum sollen Flächen in verschiedenen Höhenlagen entstehen, die optimale Bedingungen für die Entwicklung von tiefen und flachen Gewässerzonen, Wattflächen, Tide-Auwald und Tide-Röhrichten bieten.   

In der Machbarkeitsstudie von 2016 wurden neben der Nullvariante – keine Rückdeichung, Erhöhung der bestehenden Deichlinie – noch weitere vier Varianten der Deichrückverlegung geprüft. Die größte Vorlandfläche ergäbe sich bei der Variante 1, die jedoch wegen der direkt anschließenden Bebauung am Einlagedeich verworfen wurde. Bei der Variante 2 würde die Straße außendeichs geführt, was zwar zur Minimierung der Anwohnerkonflikte führen würde, aber die Straße müsste im Sturmflutfall während der Sturmflutsaison vom 15. September bis 31. März durch Schranken für den Verkehr abgesperrt werden. Der Vorzug wird nun der Variante 3 gegeben, die die dritthöchste Aufwertung bringt. Hier sind keine privaten Grundstücke betroffen, sondern nur Flächen der Hansestadt Hamburg und des Sielverbandes Moorwerder.

Variante 3 – Lt. Machbarkeitsstudie die Vorzugsvariante.

Anwohner*innen am Einlagedeich sind allerdings enttäuscht, dass nicht die für sie verträglichere und ebenfalls ökologisch sinnvolle Variante 4 ausgewählt wurde. Bei dieser Variante ist der Abstand zwischen der Bebauung und der binnendeichs geführten Straße wesentlich größer. Damit wären die Belastungen während der Bauarbeiten und durch den Verkehr wesentlich geringer. Die Kosten für die Deichbauvariante 4 wären aufgrund der geringeren Deich- und Straßenlängen am geringsten. Die kleinere Rückverlegung bietet jedoch auch einen deutlich geringeren Entwicklungsspielraum im künftigen Vorland, so die Planer*innen.

Variante 4 – Weniger Beeinträchtigungen der Anwohner*innen, aber auch weniger Möglichkeiten der Vorlandgestaltung.  Grafiken: Machbarkeitsstudie Ellerholz

In jeder Variante ist ein Abbruch des bestehenden Schafstalles und des dazu gehörenden Wohnhauses erforderlich. Außer bei Variante 4 muss auch eine Ersatzfläche für die Sandsackhalle der Deichverteidigung gefunden werden.

Wegen der Erfahrungen im Bürgerbeteiligungs- und Mediationsverfahren vor 20 Jahren bei der Rückdeichung Kreetsand, soll der alte Moorwerder Hauptdeich erst fünf Jahre nach Fertigstellung des neuen Deiches abgetragen werden. Damals trauten die Anwohner*innen der Standfestigkeit des neuen Deiches nicht.

Das Hamburger StaatsRäteModell (SRM): Das SRM ist eine Art Punktesystem zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Die Punktevergabe funktioniert nach Menge: Je mehr SRM-Punkte ein Gebiet erhält, desto ökologisch wertvoller ist es, was bedeutet, desto hochwertiger muss der Ausgleich bei Eingriff sein. Die Staatsräte der beteiligten Behörden hatten am 28. Mai 1991 beschlossen, dass ein von ihnen entwickeltes System als "dienstliche Handreichung" in Behörden und von Gutachtern zunächst für einen unbefristeten Erfahrungszeitraum angewandt werden soll. Zwar hat sich seit 1991 die Eingriffsregelung im Naturschutz- und Baurecht geändert, doch das Staatsrätemodells für die Bewertung und Bilanzierung konkreter Vorhaben gilt weiterhin.

http://www.isebek-initiative.de/uploads/sn/FHH_990712_Handhabungshinweise_Staatsraetemodell.pdf

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Spaziergang Kreetsand und Ellerholz wird nachgeholt!

MG. WIR hatten in unserer März-Ausgabe zu einem Spaziergang auf dem Rückdeichungsgebiet Kreetsand eingeladen. Der konnte leider wegen der Coronakrise nicht stattfinden. Viele Anrainer*innen wundern sich ja, dass sich dort immer noch hohe Sandberge auftürmen, obwohl doch die Rückdeichungsmaßnahme Kreetsand bereits im Jahr 2015 abgeschlossen sein sollte. Sobald wie möglich werden WIR und Neuntöter e. V. diesen Spaziergang nachholen und erfahren dort hoffentlich mehr über den Stand der Dinge in Kreetsand und auch im Hinblick auf das neue Rückdeichungsprojekt Ellerholz.

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Straßenbegleitgrün: Kleine Flächen mit großer Wirkung

NABU Hamburg fordert von den Bezirken die Anpassung der Mäh-Einsätze

PM/NABU. Der NABU Hamburg kritisiert die Praxis der Bezirke, das Straßenbegleitgrün mitten in der Blütezeit und der Brutsaison von Vögeln radikal kurz zu mähen. Für die städtische Artenvielfalt und auch das Stadtklima sind solche Mäheinsätze kontraproduktiv. Die Sonder- bzw. Extremstandorte des Straßenbegleitgrüns sind negativen Einflüssen durch Fahrtwind, Abgase oder Tausalze ausgesetzt. Ihnen wird aber fälschlicherweise oft eine untergeordnete ökologische Bedeutung beigemessen. Straßenbegleitgrün dient gerade in urbanen Bereichen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Außerdem kann es zur Wiedervernetzung zerschnittener Lebensräume beitragen.  „Wird jedoch zu früh gemäht, können weder Insekten von den Blüten profitieren, noch diese Pflanzen Samen produzieren. Um die Artenvielfalt von Insekten und Pflanzen in Hamburg zu fördern, wäre es wichtig, auch das Grün an Straßen bei der Pflege stärker zu berücksichtigen. Die Mäh-Praxis muss daher unbedingt von den Bezirken an die Bedeutung der Stadtnatur angepasst werden“, fordert Mascha Kurenbach, Referentin für StadtNatur beim NABU Hamburg.    Die Mahd orientiert sich zwar auch an ökonomischen Zwängen und an der Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Doch mit Blick auf das ökologische Potenzial des Hamburger Straßenbegleitgrüns ist es nach Einschätzung des NABU von Bedeutung, die Notwendigkeit der Maßnahmen zu prüfen und ihren Umfang und Zeitpunkt möglichst naturschutzfreundlich anzupassen.  Die Kette an negativen Wirkungen ist nämlich fatal. Durch die frühe Mahd nimmt über die Jahre hinweg die Vielfalt an Blühpflanzen ab. Zwangsläufig schrumpft das Angebot an Nahrungs- und Fortpflanzungsstätten für Insekten wie Schmetterlinge und Wildbienen, aber auch für verschiedene Fliegen- und Käferarten. Eine Abnahme der Insekten heißt auch eine Abnahme des Nahrungsangebots für viele Vogelarten, die ohnehin schon unter der Zerstörung ihrer Lebensräume zu leiden haben. Gerade in der Brutzeit ist ein reichhaltiges Nahrungsangebot zur Versorgung der Jungvögel überlebenswichtig. Auch für das Stadtklima sind selbst kleinste Grünflächen von großer Bedeutung. Denn angesichts zunehmend heißer und trockener Sommer wirken selbst kleine aber üppig bewachsene grüne Inseln oder Randstreifen kühlend.

So sieht ein vorbildlich gepflegtes Straßenbegleitgrün aus. Blühstreifen an Straßenrändern sind ein wichtiger Beitrag zur Artenvielfalt im urbanen Raum. Foto: Thomas Dröse/NABU


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"Hamburg blüht auf"

Ab jetzt wird gepflanzt! Jeder kann mitmachen. Eine Initiative der Loki-Schmidt-Stiftung mit den Bücherhallen Hamburg und der Sparda-Bank Hamburg

PM Bücherhallen Wilhelmsburg und Kirchdorf/bearb. WIR. „Naturschutz mit Hand und Herz“ ist das Motto der Loki-Schmidt-Stiftung. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Anliegen der Bücherhallen Hamburg. Umweltbewusstes Handeln ist Teil des Leitbildes der Sparda-Bank Hamburg. Zusammen haben die drei Institutionen das Projekt „Hamburg blüht auf“ ins Leben gerufen, nachdem sie von der Aktion „Celle blüht auf“ nachhaltig inspiriert wurden.
25.000 Samentütchen mit einer Mischung aus regional zertifiziertem Saatgut werden derzeit es kostenlos an die Kund*innen der Hamburger Bücherhallen verteilt. Auch in den Bücherhallen in Wilhelmsburg und Kirchdorf gibt es die insektenfreundliche Mischung.

Lebensfreude wachsen lassen und Insekten schützen: Gepflanzt werden kann die Samenmischung, die u. a. Ringelblume, Rittersporn, Klatschmohn und Margerite enthält, ab sofort in Balkon-Kästen und in Gärten. Die Mischung umfasst einjährige und mehrjährige Pflanzenarten und hilft, unterschiedliche Insekten über einen großen Zeitraum des Jahres zu ernähren. Ein Beitrag zum Naturschutz, den (fast) jede*r leisten kann.

Fotoaktion des Tags der StadtNatur Hamburg: Schöne Pflanzen, vielbeinige Nutznießer – unter dem Hashtag #Hamburgblühtauf können bis Ende August 2020 Fotos vom heimischen Pflanzerfolg veröffentlicht werden – die Hansestadt blüht so auch digital auf. Unter allen Uploads werden zwei Bilder mit je zwei Tickets für eine Kanutour am "Langen Tag der Stadtnatur" Hamburg 2021 belohnt. In diesem Jahr wird aus dem "Langen Tag" übrigens aufgrund der Corona-Pandemie ein Kurzer – am 13. Juni sind norddeutsche Naturfreunde live und/oder virtuell im Grünen unterwegs. Das ganze Programm ab 25. Mai online auf tagderstadtnatur.de.


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Die Wegwarte ist die Heilpflanze des Jahres 2020

Gewählt wurde Cychorium intybus vom Verein Theophrastus (Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, gen. Paracelsus), der seit 2003 die Heilpflanze des Jahres kürt. Die Wegwarte war bereits 2005 Gemüse des Jahres und 2009 Blume des Jahres in Deutschland

  Die Wegwarte. Bild: Kräuterpfarrer Benedikt

MG. "Eine alte Sage beschreibt sie als die blauen Augen eines verwandelten Burgfräuleins, das am Wege vergeblich auf die Rückkehr ihres Geliebten vom Kreuzzug in das Heilige Land wartet" (Kosmos Tier und Pflanzenführer). Damit wird die leuchtend blaue ca. drei bis vier Zentimeter große Blüte sehr romantisch beschrieben. Man findet die Pflanze an Wegesränder, auf Weiden und an Straßen. Obwohl sie licht- und wärmeliebend ist, schließt sie oft schon mittags die Blüten, wenn ihr die Sonne zu sehr scheint. Die Pflanze sieht dann wie verwelkt aus, aber am nächsten Morgen bezaubert sie wieder mit ihren himmelblauen Blüten. Beim Austreiben im Frühjahr kann sie leicht mit Löwenzahn verwechselt werden.

Noch im 2. Weltkrieg wurde die Kaffeezichorie als Kaffeeersatz geröstet. Jürgen Feder beschreibt in Feders Fabelhafte Pflanzenwelt, dass ihr Im Mittelalter Heilkräfte gegen Gallenleiden, Gelbsucht, Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit, Verdauungsschwierigkeiten u. a. zugeschrieben wurden. Die Wurzeln werden Diabetikern als Gemüse empfohlen. Sie enthalten 20 % Inulin.

Heutzutage kennt man die Wegwarte vor allem als Chicorée. Dazu werden ihre Wurzeln im Dunkeln ausgetrieben, damit sie bleiche, zarte Salatblätter hervorbringt.  Diese  schmecken aber nicht nur als gesunder Salat, z. B.mit Apfelsine vermischt, sondern auch leicht gedünstet mit Zitronenbutter als Beilage zu Fisch hervorragend.  Wo heute das Containerterminal ist, konnte man vor Jahren auf dem Deich in Altenwerder spazieren gehen und wurde dabei von zahlreichen Schmetterlingen begleitet, die von Blüte zu Blüte der Wegwarten am Wegesrand flatterten.


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Bitte nicht stören!

Störche – Seeadler – Kiebitz und Co. Im Osten von Wilhelmsburg wird die fragile Vogelwelt auch durch eine wachsende Zahl von Ausflügler*innen und Neugierigen um ihre nötige Ruhe gebracht

MG. In Moorwerder sind die Störche in diesem Jahr schon früh eingetroffen. Beide waren Ende Februar schon am Horst. Aber etwas ist neu: Harald Köpke, der den Horst vor ein paar Jahren aufgebaut hat, beobachtet seine Störche immer genau. Nun hat er festgestellt, dass wohl ein Neuer aufgetaucht ist. Er trägt nämlich einen Ring. Anhand der Nummer wurde festgestellt, dass der Storch am 6. Juni 2017 in der Wesermarsch beringt wurde. Er war ein Pflegling der dortigen Storchenstation.

Die Störche in Moorwerder sind 2020 schon Ende Februar eingetroffen und haben ihren Horst in Besitz genommen. Foto: Harald Köpke

Hoffentlich ist die Störchin mit dem neuen Partner auch wieder erfolgreich im Brutgeschäft und die Wetterbedingungen spielen mit. Storchenpaare legen zwei bis fünf Eier. Die Jungen schlüpfen nach 30 bis 32 Tagen. Danach kann man die Störche gut beobachten, wenn die Jungen gefüttert werden. Aber bitte auch dann noch Abstand halten. Jetzt in der Zeit des Eierlegens und des Brütens sollte man garnicht in die Nähe des Horstes gehen, um das Paar nicht zu stören.


Ein Seeadler auf Beuteflug. Foto: NABU/Klemens Karkow

Dies ist leider bei den Seeadlern passiert. Im Heuckenlock sind Neugierige auf dem Pfad ganz in die Nähe des Nestes gegangen. Das mochten die Adler nicht und haben das Brüten abgebrochen. Dieses Jahr gibt es also keine jungen Seeadler. Bei Störungen sind die Vögel sehr empfindlich. Sollte das im nächsten Jahr wieder passieren, ist zu befürchten, dass die Seeadler ihr Nest ganz verlassen, dann können diese majestätischen Vögel nicht mehr hoch am Himmel über Wilhelmsburg beobachtet werden. Das wäre sehr schade, denn das Heuckenlock ist bundesweit als einmaliges Naturschutzgebiet bekannt. Und ein Seeadlerpaar ist noch einmal etwas Besonderes.Leider brütet auch dieses Jahr wieder nur ein Kiebitzpärchen im Osten von Wilhelmsburg. Der Bestand, der ehemals 30 Paare umfasste, hat sich nicht erholt. Dieses letzte Paar auf den landwirtschaftlichen Flächen sollte nicht gestört werden. Als Bodenbrüter sind Kiebitze besonders gefährdet.
Besonders wichtig ist die Rücksichtnahme in der Natur im Frühling, während der Brutzeit der Vögel und der Wanderung der Kröten und Frösche während der Laichzeit. Bleiben Sie auf den Wanderwegen.


Bodenbrüter wie der Kiebitz haben es auf unseren aufgeräumten landwirtschaftlichen Flächen besonders schwer. Auf Wilhelmsburg hat sich der Bestand auf ein einziges Brutpaar in diesem Jahr reduziert. Wenn dann noch Wanderer vom Weg abkommen und querfeldein durchs Brutgebiet gehen, hat der Vogel kaum eine Chance. Fotos: NABU/Dominic Cimiotti


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Bei neuen Wohnquartieren wird mit dem Abholzen nicht lange gefackelt

Wohnquartier Kirchenwiese in Georgswerder: Mehr Bäume konnten leider nicht gesichert und erhalten bleiben

Das Baugebiet "Georgswerder Kirchenwiese" wird seit Jahresbeginn erschlossen. Das heißt zunächst einmal: roden und Bäume fällen. Bauherrin und Projektentwicklerin ist die IBA GmbH. Foto: MG

MG. „Von dem Baumbestand soll möglichst viel gesichert und erhalten bleiben“, hatte Michael Mathe, Amtsleiter Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung, noch am 23. September 2019 beim Projektdialog Georgswerder im Kupferkrug versprochen. Tatsächlich sind jetzt einige wenige Bäume an der Rahmwerder Straße gesichert und auch am Langenhövel/Niedergeorgswerder Deich sind noch nicht alle Bäume abgeholzt worden. Am Gelände für den in der Stadtteilwerkstatt „Zukunftsbild Georgswerder“ von den Bürger*innen gewünschten Dorfplatz an der Rahmwerder Straße/Niedergeorgswerder Deich konnten Rest-Bäume gesichert werden.

 „Ein neu gestalteter Quartiersplatz an der Ecke Niedergeorgswerder Straße/Rahmwerder Straße schafft an zentraler Stelle einen Begegnungsort für die Nachbarschaft und definiert gleichzeitig den Eingangsbereich der Elbinselschule neu.“ (IBA GmbH). Foto: MG

Auch am Niedergeorgswerder Deich/Ecke Langenhövel stehen  noch Bäume. Wurden sie übersehen??? Foto: MG

Luftaufnahme von Georgswerder. Das umstrichelte Gebiet ist das Baugebiet "Kirchenwiese".  "Georgswerder liegt verkehrstechnisch sehr gut angebunden, nahegelegen zur Wilhelmsburger Reichsstraße sowie den Bundesautobahnen A1 und 252, und bewahrt dennoch seinen sehr grünen und dörflichen Charme." (IBA GmbH) Luftbild: IBA GmbH




Ein paar Bäume an der Rahmwerder Straße wurden geschützt. Foto: MG

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